Auf ins Abenteuer

Nachdem der Autoreifen repariert war und wir unsere Wohnung an unsere Vermieterin übergeben hatten, haben wir uns ab dem 22. September für die letzten paar Tage im Haus meiner Eltern einquartiert. Die Zeit bis zu unserem Abreisetag am 04. Oktober haben wir genutzt um abschließend alle Dinge für unsere Ausreise nach Brasilien vorzubereiten.

Das Auto endgültig einmotten

Ganz oben auf der Liste, der Dinge die wir noch zu erledigen mussten, stand, das Auto für die nächsten Jahre in unserer Garage einzumotten. Jetzt werden sich sicherlich einige fragen, warum wir das Auto nicht einfach verkauft haben. Die Antwort ist, dass wir zum einen an unserem Auto hängen, wir haben über so viele Jahre so viele Reisen mit ihm gemacht, dass es uns schwer fallen würde, dieses sehr zuverlässige Auto zu verkaufen. Es ist, mit seinen mittlerweile 250.000km, auf unseren Reisen nie ernsthaft kaputt gegangen oder liegen geblieben. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir in der Vergangenheit immer großzügig in die Instandhaltung investiert haben. Im ersten Schritt haben wir den Golf gründlich von außen und von innen gereinigt. Auf Grund eines unglücklichen Missgeschicks, ist mir Felgenreiniger im Kofferraum ausgelaufen 🙄. Es hat uns fast einen Tag gekostet , diesen wieder zu entfernen. Unabhängig von der Distanz niemals Felgenreiniger ungesichert im Kofferraum transportieren❗❗❗ Nach ca. zwei Tagen war die Reinigungsaktion abgeschlossen. Glücklicherweise zeigte sich das Wetter freundlich für die kommenden Tage. Wir konnten das Auto bequem trocken warm fahren. Da der Golf einen Kunststofftank hat und dieser nicht rostet, ist es ratsam ihn über eine so lange Zeit nicht voll betankt abzustellen. Der Vorteil liegt darin, dass bei der Wiederinbetriebnahme in einigen Jahren direkt frisches Benzin getankt werden kann. Um das restliche Benzin im Tank bestmöglich vor Korrosion zu schützen, gibt es Additive zu Kaufen, die dem Benzin vor der Außerbetriebnahme beigemengt werden. Vor der Einfahrt in die Garage, haben wir den Reifendruck auf drei Bar erhöht. Die Druckerhöhung hilf, zusammen mit den bereits in der Garage platzierten Reifenschonern, die Bildung von Standplatten zu reduzieren. An der Garage angekommen, haben wir das Dachzelt montiert und das Auto im Anschluss rückwärts in die Garage auf die Reifenschoner gefahren. Im letzten Schritt wurde noch die Batterie aus dem Golf entfernt und im Heizungskeller meiner Eltern eingelagert. Wird die Batterie gleichmäßig warm gelagert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch nach längerer Standzeit noch genutzt werden kann. Sollte sich nach unserer Rückkehr herausstellen, dass die Batterie nicht mehr funktionsfähig ist, dann werden wir sie einfach ersetzen.

Der letzte Ausflug

In Thüringen gibt viele schöne Ausflugsziele die einen Besuch lohnen. Vom Wandern am Rennsteig, einem Besuch der Wartburg bis hin zu den Talsperren, Bergseen, Burgen und dem Schlendern in den schön kleinen und größeren Städten. Um einen Eindruck von der Schönheit dieses Freistaats zu bekommen, haben wir uns, für unseren letzten Ausflug, für eine kleine Rundtour angefangen vom Gothaer Schloss, über die Wartburg und Ebertswiese bis zur Hohenwartetalsperre entschieden. Für die Tour haben wir uns einen 30 Jahre alten BMW meiner Mutter ausgeliehen. Anbei ein paar visuelle Eindrücke von der Schönheit der Natur.

Der Abschied

Nachdem wir noch einige Tage bei meinen Eltern verbracht haben, nähert sich nun der Tag des Abschieds. Von Bees ihrem in Deutschland lebenden Teil der Familie, wie Opa, Tanten und Schwestern und von unseren Freunden haben wir uns bereits vor einiger Zeit mit Besuchen und einem Grillen verabschiedet. Nun müssen wir uns auch nach und nach von meiner Familie verabschieden. Ein letzter Besuch und ein letztes Bier bei meinem Opa, einem letzten Grillen bei meinem Vater und Geschwistern und ein letztes Treffen mit meinem Onkel und meiner Tante läuten das Ende unser Zeit in Deutschland und den Beginn unseres Abenteuers in Brasilien ein.

Der Abflug

Am Morgen des 04.Oktober 2020 war es nun soweit, unser letzter Tag in Deutschland war angebrochen. In den letzten Stunden kontrollierten wir ein letztes Mal die Gültigkeit all unsere Dokumente. Alle wichtigen Reiseunterlagen wurdenleicht zugänglich im Handgepäck verstaut. Ein letztes Mal kontrollierten wir das Gewicht unseres Gepäcks und verstauten es im Auto. Meine Mutter hatte sich bereit erklärt uns zum Flughafen nach Frankfurt zu fahren. Gegen 14:00h, nach dem Mittagessen, setzten wir uns ins Auto und fuhren los in Richtung Frankfurt. Unser Flug war für 21:45h bestätigt. Als wir gegen 16:30h am Flughafen in Frankfurt ankamen, trat uns ein ungewöhnliches Ambiente entgegen. Es herrschte kein Andrang, kein Gewusel und keine Hektik. Den wenigen Menschen, denen wir in der Vorhalle des Flughafen begegneten, schienen zielgerichtet ohne Umwege ihren Zielen nachzugehen. Die Geschäfte, Bars und Restaurants waren geschlossen, sodass wir nur unser mitgebrachtes Essen im Außenbereich des Flughafens verspeisen konnten.

Alles anders als sonst

Wir sind keine Vielflieger. In den letzten 10 Jahren sind wir insgesamt 3 Mal Langstrecke geflogen. Wir waren den Check-In am Schalter gewöhnt und stellten uns auch dieses Mal für den Check-In am Schalter von LATAM-Airlines an. Auch wenn der Flughafen im Allgemeinen wenig besucht war, so herrschte am Schalter für den Flug LA8071 großes Gedränge. Es schien, das viele, in Deutschland lebende Brasilianer, die Gunst der Stunde nutzen wollten, um zu sehr günstigen Konditionen, ihre Familien in Brasilien zu besuchen. Zeitweise kosteten die Flüge von Frankfurt nach Sao Paulo nur um die 400€. Wenn man bedenkt das in normalen Zeiten die Flüge zwischen 850€ und 1200€ kosten, dann sind die aktuellen Flüge richtige Schnäppchen.

Der Check-In

Nachdem wir ca. 10 Minuten in der Schlange gestanden hatten, wies uns ein Mitarbeiter der Airline darauf hin, dass die Check-Ins nicht mehr am Schalter durchgeführt werden. Diese müssten an den Automaten in der Vorhalle selbst durchführen werden. Das war Premiere für uns, da wir dies noch nie gemacht hatten. Und Prompt beim ersten Versuch uns an den Automaten einzuchecken, verweigerten diese die automatische Datenübernahme aus unseren Reisepässen. Wir mussten daraufhin alle Daten von Hand eingeben. Nachdem wir die Hürde gemeistert hatten, gaben wir unser Gepäck auf und erlebten gleich die nächste Überraschung.

Starke Einreisekontrolle

Bees besitzt neben ihrem deutschen Reisepass auch einen brasilianischen und musste somit nicht fürchten, dass ihr die Ausreise aus Deutschland oder die Einreise nach Brasilien verwehrt werden könnte. Obwohl wir alle Dokumente (Visum, Heiratsurkunde und Krankenversicherungsnachweis) zur Ausreise aus Deutschland und zur Einreise nach Brasilien vorlegen konnten, wollte mich die Mitarbeiterin am Schalter nicht ausreisen lassen. Voraussetzung für die Einreise nach Brasilien ist, das jeder Einreisende mit nicht permanenter Aufenthaltsgenehmigung ein Rückflugticket vorweisen kann. Aus diesem Grund hatten wir für mich im Vorfeld auch einen Rückflug, der innerhalb des Gültigkeitszeitraums meines Visums lag gebucht. Die Mitarbeiterin wies uns jedoch daraufhin, dass die brasilianischen Behörden in Sao Paulo mich nicht einreisen lassen würden, wenn ich nicht ein gedrucktes Ticket vorweisen könnte. Da die Behörden in Sao Paulo keinen Zugriff auf die Systeme der Airlines haben, gleichen sie die Ticketinformationen auch nicht mit deren Systemen ab. Glücklicherweise erklärte sich die Airline bereit mir das E-Ticket noch in gedruckter Form auszuhändigen, sodass der Ausreise nun nichts mehr im Weg stand.

Auf zu den Gates

Nachdem wir unser Gepäck mit Hürden aufgegeben hatten, begaben wir uns zu den Gates. Die meisten Gates waren menschenleer, nur am Gate für unseren Flug drängten sich die Menschen. Nach ca. 45 Minuten begann das Boarding und wir nahmen unsere Plätze im Flugzeug ein. Das tragen von Masken war sowohl im Flughafen als auch im Flugzeug obligatorisch. Die Masken durften auf Grund der aktuellen Corona-Situation ausschließlich zum Einnehmen von Speisen und Getränken angenommen werden.

Der Start

Wenig später setzte sich das Flugzeug gut gefüllt in Bewegung. Nachdem es seine Position auf der Startbahn eingenommen hatte sahen wir ein letztes Mal aus dem Fenster auf den beleuchteten Frankfurter Flughafen. Dann setzte sich das Flugzeug erneut in Bewegung erhöhte immer weiter die Geschwindigkeit bis es sich in die Lüfte erhob und die Ränder die Fahrbahn verließen. Ein letzter blick aus dem Flugzeug auf die Stadt und wir verschwanden über den Wolken.

Auf ins Abenteuer

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