Das Hochzeitsbier

Die geplatzte Feier

Ursprünglich hatten wir geplant am 25.07.2020 unsere Hochzeit zu feiern. Dazu ist es nun leider nicht gekommen. Zum einen war es bis vor kurzem für Bees Mutter, auf Grund der Coronakrise, nicht möglich nach Deutschland einzureisen. Da wir nicht genau wussten, ob und wann die Einreise für Bürger aus Drittstaaten wieder möglich sein wird, musst wir die Feier leider absagen. Bees wollte die Hochzeitsfeier nur unter der Bedingung durchführen, dass ihre Eltern auch daran teilnehmen können. Es war für Bees schon schwierig, sich ohne die Anwesenheit ihrer Eltern, standesamtlich zu trauen. Der Plan ist nun die Feier in Brasilien nachzuholen. Meine Eltern haben schon zugesagt, dafür auf jeden Fall nach Brasilien zu reisen.

Das Hochzeitsbier

Da wir ursprünglich davon ausgegangen waren, dass die Feier stattfindet, haben wir natürlich extra ein Bier dafür eingebraut. Es sollte ein außergewöhnliches Bier, mit moderatem Alkoholgehalt und passend für den Sommer sein. Ursprünglich hatten wir an ein feinherbes und reichlich mit Tettnanger-Perle gestopftes, blumiges Pilsener gedacht. Bees konnte sich allerdings mit dem Gedanken an ein Pilsener nicht so richtig anfreunden. Ihr Argument war, dass wir schon oft kräftig gestopfte, blumige, böhmische, als auch nordeutsche Pilsener gebraut haben und das ein solches Bier kein handfestes Alleinstellungsmerkmal aufweisen wird. Ich lies mich überzeugen und uns kam die Idee für unsere Hochzeitsfeier ein Fichtenspitzen-IPA zu brauen. Das klang für uns auf Anhieb überzeugend, bereits der Namen trägt das Alleinstellungsmerkmal in sich. Darüber hinaus waren wir davon überzeugt, dass sich der Geschmack von Fichtenspitzen super mit den fruchtigen Noten eines IPA kombinieren lässt. Das Grundbier sollte ein mit Cascade gehopftes, fruchtiges Singlehop-IPA mit moderatem Alkoholgehalt sein. Das Ziel war das Bier mit einem Alkohlgehalt zwischen minimal 5,8%Vol. und maximal 6,2%Vol. einzubrauen. Dieses sollte nach der Hauptgärung sowohl mit Cascade als auch mit frischen Fichtenspitzen gestopft werden und weitere drei Wochen im Gärtank verbleiben, bevor es zur Nachgärung in Flaschen geschlaucht wird. Da das Bier nach der Hauptgärung noch ca. 8 Wochen bei 2°C kalt lagern sollte, brauten wir es bereits Ende April. Anfang Mai fuhren wir in einen nahegelegenen Wald und pflückten die frischen Triebe von verschiedenen Fichten. An der Stelle ist es wichtig zu betonen, dass man darauf achtet, dass es sich auch wirklich um Fichtenspitzen und nicht um Triebe von Eiben handelt. Bei Unachtsamkeit besteht ein gewisses Risiko diese zu verwechseln. Nahezu alles an einer Eibe ist giftig und die Verwertung der Triebe ist lebensgefährlich. Auf 45 Liter Bier braucht man für ein angenehmes, gut wahrnehmbares Fichtenaroma ca. 200g – 300g Fichtenspitzen. Diese werden gründlich mit klarem Wasser gewaschen und anschließend in 70%igem Alkohol für 5 Minuten vollständig bedeckt eingelegt. Danach werden sie klein geschnitten und entweder in Hopfensäcken gefüllt oder direkt in den Gärtank gegeben. Im Anschluss sollte das Jungbier weitere drei Wochen gelagert werden, bevor es zur Nachgärung ab- oder umgefüllt wird. Bee hat sich ein stärker karbonisiertes Bier gewünscht, dass so richtig schön “floppt” wenn man es öffnet und bei dem sich die Kohlensäure länger im Bier hält. Als Hefe haben wir uns für die “New England – American East Coast Ale” von Lallemand entschieden. Die Hauptgärung verlieft hervorragend. In der Nachgärung hat sie sich jedoch etwas weniger dynamisch gezeigt.

Das Tasting

Nachdem nun fest steht, dass es in Deutschland keine Feier mehr geben wird, müssen wir anfangen unser gesamtes Hochzeitsbier mit Freunden zu trinken. Zum Glücken finden sich im Bekanntenkreis viele Leute die unser Bier gerne trinken😅.

Das Bier ist bersteinfarben, ausgewogen mit einer milden Hopfenbitteren, ca. 6,0%Vol. Alkohol und es riecht fruchtig mit einer tatsächlich intensiven Fichtennote, die die Fruchtnote des Hopfens etwas in den Hintergrund treten, aber nicht untergehen lässt. Die etwas höhere Karbonisierung prickelt etwas mehr auf der Zunge, lässt den Schaum länger stehen und lässt das Bier auch nach etwas längerer Zeit im Glas noch frisch schmecken. Nur all zu sehr schütteln sollte man die Flasche vor dem Öffnen nicht. Alles in Allem, sind wir sehr zufrieden mit unserem Hochzeitsbier. Wir finden es wirklich sehr schade, dass wir es nicht zu unserer Hochzeit ausschenken konnten. In Brasilien gibt es leider keine Fichten, damit wird es für uns wohl so schnell kein anderes Fichtenspitzen-IPA geben. Aber wir werden uns mit Sicherheit etwas außergewöhnliches für Brasilien einfallen lassen. 😃

Das Hochzeitsbier

Zusammenpacken Versenden und Ausräumen

Der aktuelle Status

Der Termin für unsere Ausreise am 04.10.2020 steht weiterhin fest. Die Entwicklung der Corona-Pandemie in Brasilien stabilisiert sich allmälig. Der 7-Tage-Mittelwert zeigt einen leichten Rückgang (aktuell -11%) der täglichen Covid-19 Neuinfektionen in Brasilien. In vielen südlichen Bundesstaaten gelten mittlerweile ähnliche Abstands- und Hygeneregeln wie bei uns in Deutschland. Es scheint im Moment so, dass diese Vorgaben langsam auch in Brasilien Wirkung zeigen.

Verkaufen und Entrümpeln

Unsere freie Zeit verbringen wir aktuell weiterhin hauptsächlich mit dem Zusammenpacken, Versenden, Verkaufen und Entsorgen von Hausrat und Equipment. Etwas Mobiliar konnten wir bereits durch etwas Glück über eBay-Kleinanzeigen verkaufen. Insgesamt gestaltet sich der Verkauf jedoch eher schwierig. Wir haben uns angewöhnt alle Anzeigen ca. eine Woche online zu lassen und dann erneut einzustellen. Damit verliert man zwar die aktuellen Follower, aber die Anzeige rückt als “neue Anzeige” wieder ganz nach oben. Wir haben das Gefühl, dass dieses Vorgehen die Chancen erhöht, dass sich Interessenten melden. Darüber hinaus fahren wir alte Möbel und andere unverkäufliche Dinge nach und nach auf den Wertstoffhof. Dazu müssen wir den Golf immer wieder zu einem “Transporter umbauen”. Was uns aktuell schwer fällt ist, uns von unserem geliebten Hochbett zu trennen. Ursprünglich wollten wir es verkaufen und uns nach unserer Rückkehr nach Deutschland ein neues kaufen. Der Hersteller Möbelum hat es jedoch aus dem Programm genommen. Damit geht unser Plan nun leider nicht mehr auf. Im Moment versuchen wir es innerhalb der Familie unterzubringen, da es auf Grund der Abmaße, nicht in die Grage passt und als Holzgegenstand auch trocken und luftig gelagert werden muss. Wir hoffen sehr, dass sich noch eine Möglichkeit ergibt und wir es nicht verkaufen oder im schlimmsten Fall entsorgen müssen. Zum Glück kann man das Bett komplett zerlegen. Allerdings graut es uns schon vor dem Transport. Da das Anmieten eines Transporter aktuell extrem kostenintensiv ist (Transporter inkl. 1000km ca. 550€ bei Sixt), muss der Golf wohl auch dafür herhalten. Um das Bett zu unserer Familie zu transportieren, werden wir allerdings wohl zwei mal fahren müssen.

Der Paketversand

Der Versand von Paketen geht weiterhin nur schleppend voran. Wir haben mittlerweile vier Pakete aufgegeben, dass erste am 19.06.2020. Aktuell ist noch kein Paket in Curitiba angekommen. Das erste Paket hat den Zoll jedoch schon passiert und wird jetzt innerhalb Brasiliens transportiert. Die Zollkosten betrugen 977 BRL . Umgerechnet sind das ca. 160€. Somit hat uns der Versand von 20 Kg Equipment 345€ (185€ Versand und 160€ Zoll) gekostet. Die Kosten für Versand und Zoll haben sich im Zuge der Coron-Krise im Prinzip verdoppelt. DHL erlaubt nach Brasilien nur den Premiumversand. Es kommt immer wieder vor, dass nicht allein der Inhalt von Paketen, sondern auch die Kosten für den Versand in Brasilien verzollt werden müssen. Wir können uns also glücklich schätzen, dass DHL nur die vor der Krise üblichen 100€ als Versandkosten auf dem CN23-Dokument angibt und nicht die aktuell anfallenden 185€. Die Zollkosten würden sonst noch um einiges höher ausfallen.

Space Saver

Immer wenn man Dinge lagert oder transportiert, bestimmen zwei Eigenschaften, Volumen und Gewicht, die Kosten für Transport und Lagerung. Welche Eigenschaft im Einzelfall mehr ins Gewicht fällt, hängt natürlich vom Anwendungsfall ab. Bei der Einlagerung von Gegenständen in Räumen ist das Volumen meist entscheidender als das Gewicht. Während beim Versand von Gegenständen sich beide Eigenschaft meist gleich stark auf den Preis auswirken. Im Durchschnitt wird dem Volumen aber ein höherer Anteil am Preis zugeschrieben. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile sogenannte Space Saver (Affiliate-Link) zu kaufen. Diese funktionieren erstaunlich einfach über Vakuumirrung und können das Volumen bei komprimierbaren Gegenständen wie z.B. Textilien bis zu 50% reduzieren. Ein weiter Vorteil ist, dass durch das Vakuumirren die Luft aus der Verpackung entfernt und somit Alterungsprozesse verlangsamt und Schädlingsbefall verhindert wird. Wir haben das mal anhand unserer sehr Voluminösen warmen Schlafsäcke demonstriert. Wir sind echt begeistert und vakuumierren mittlerweile alle Dinge deren Volumen sich durch Vakuumierren reduzieren lassen.

Video mit Werbeanteil Anwendung Space Saver

Das Einlagern

Campingequipment

Da wir eventuell in einigen Frühsommern der kommenden Jahre vor haben, Urlaub in Europa zu machen, müssen einige dafür grundlegende Dinge entsprechend eingelagert werden. Wir wollen im Sommer vor allem die Polartage in Nordeuropa genießen. Wir sind leidenschaftliche Camper und sind in den vergangen Jahren viel durch Europa gereist. Dabei sind wir durch allerhand Länder vom südlichen Sizilien bis nach Andennes im Norden der Lofoten in Norwegen gereist. Dabei ist das Auto dem Camper sein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Wir sind in den vergangenen Jahren nur zwei Mal ausschließlich nach Brasilien geflogen. In Europa haben wir alle Strecken mit dem Auto zurückgelegt. Zu unserem Basisequipment gehört ein Golf VI R, ein Dachzelt, Schlafsäcke sowie Koch- und Reinigungsequipment. Proviant und Kleidung wird abhängig von der Reiseregion entsprechend angepasst. All diese Dinge müssen so eingelagert werden, dass wir sie im Bedarfsfall schnell Einsatzfähig bekommen.

Das Brauequipment

Ursprünglich hatten wir geplant unser Braueqipment, dazugehörend den Braumeister, den Gärtank und weiteres zum Bierbrauen benötigtes Equipment mit DHL nach Brasilien zu schicken. Durch die Corona-Pandemie war eine Zeitlang der Paketversand nach Brasilien nicht möglich und nun nach der teilweisen Wiederaufnahme des Paketversands durch DHL sind die Kosten für den Versand von 20Kg Paketen um 85% gestiegen. Die Hohen Versandkosten, die nicht kalkulierbaren Einfuhrzölle und das gestiegene Risiko des Paketverlusts, haben uns dazu bewogen den Versand des schweren Brauequipments nicht weiter zu verfolgen und dies stattdessen für die nächsten Jahre mit einzulagern. Die grundlegende Ausrüstung der Einkochbrauerei werden wir allerdings noch versenden. Der Grund ist, dass Einkochtöpfe in Brasilien schwerer zu bekommen und teuer sind, sich das Versandgewicht mit ca. 25Kg im Rahmen hält, der Paketverlust verkraftbar ist und wir leider keinen freien Platz für die Einlagerung mehr zur Verfügung haben. Der Verkauf kommt auch nicht in Frage, da wir stark unter Wert verkaufen müssten. Bis wir die entsprechende Ausstattung zum Brauen in Brasilien ausfindig gemacht haben, können wir so temporär die ersten Brauversuche mit der Einkochbrauerei machen.

Die Garage

Wir haben uns nun eine Garage mit einem Stromanschluss und Licht angemietet. Dort wird das Auto als auch das Camping- und Braueqipment eingelagert. Das Auto wird trocken auf Reifenschuhen in die Garage gestellt. Die Batterie wird ausgebaut und an ein Ladungserhaltungsgerät angeschlossen. Das Dachzelt wird über einen Deckenlift an der Garagendecke befestigt und die Winterreifen, die Brau- und Campingausrüstung und noch ein paar wenige zusätzliche Dinge werden an den Seiten der Garage verstaut. Beim ersten Versuch den Decklift an die Garagendecke zu montieren, haben wir leider zu dünne und kurze Schrauben benutzt, so dass diese, beim ersten Versuch das Zelt vom Autodach zu heben, teilweise aus der Decke gerissen wurden. Beim zweiten Versuch haben wir acht 10er Deckenanker benutzt. So das die Konstruktion nun hält. Mit Hilfe des Lifts lässt sich das Zelt nun sehr komfortabel auf dem Autodach montieren.

Verpackung und Transport

Damit kommen wir zum lustigsten Teil dieser Geschichte. Nachdem die Garage soweit vorbereiten war, wir mussten noch ein paar alte Dinge entsorgen und den Deckenlift montieren, haben wir unser Brauequipment (Braumeister, Gärtank, Kühlaggregat und Zubehör) in Kisten verpackt und zum Bestimmungsort transportiert. Die Garage liegt leider ca. 300km von unserem jetzigen Wohnort entfernt, so dass die Fahrt dorthin effizient ausgenutzt werden muss. Der Grund für die große Distanz, ist zum einen der Preis, denn wir wohnen aktuell in einem großen Ballungsraum, in dem Wohnraum und Garagen sehr teuer sind. Eine Garage an unserem Wohnort kostet im Monat ca. 100€-150€. Zum Zweiten leben meine Eltern in der Nähe der Garage und können diese in Abständen kontrollieren. Für den Braumeister, hatten wir in weiser Voraussicht die Kartons, in denen er angeliefert wurde bis heute aufbewahrt, so dass uns dafür ein optimal angepasster Karton zur Verfügung stand. Der Gärtank wurde damals nach dem Kauf in der Gesamtverpackung auf einer Palette, nicht einzeln verpackt, angeliefert, so dass uns keine angepasste Verpackung zur Verfügung stand. Wir haben ihn zusammen mit weiterem Zubehör in einem 60cmx60cmx120cm großen Karton verpackt. Wir haben es im Anschluss tatsächlich geschafft, die gesamte Ausrüstung in unserem Golf 6 R zu packen und mit einer Fahrt zur Garage zu transportieren. Man mag es dem Auto nicht ansehen, aber wir wissen aus den vergangenen campingreichen Jahren, dass in dieses Auto eine ganze Menge Zeug verstaut werden kann. Aber dieses mal waren selbst wir überrascht. 😲😁 Die Fahrt war jedoch alles andere als gemütlich. Auch konnte ich 🐝 nicht mitnehmen, da ihr Platz leider voll belegt war. Ihre Hilfe hat mir beim entladen doch merklich gefehlt.

Das Auto

Im Augenblick konzentrieren wir uns zunehmend auf unsere Ausreise nach Brasilien. Aktuell steht unser Termin am 04.10.2020 noch fest auf unserer Agenda. Unser Flug wird von LATAM durchgeführt. Der Flug wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht storniert oder verschoben. Ich werde kommende Woche versuchen mir den Abflugtermin auch nocheinmal bestätigen lassen. Wir erfüllen, trotz Corona, zum jetzigen Zeitpunkt noch alle Ein- und Ausreisebestimmungen und gehen aktuell auch nicht davon aus, dass wir den Termin verschieben müssen.

Die Fahrzeugeigenschaften

Aus diesem Grund haben wir bei unseren Eltern/Schwiegereltern in Curitiba nachgefragt, ob sie nach einem Auto für unsere Bedürfnisse suchen würden. Da das Mieten von Autos in Brasilien relativ teuer ist, möchten wir bereits eines unser Eigen nennen, wenn wir in Curitiba ankommen. Ein Auto für zwei Wochen zu mieten, kostet in etwa so viel wie die Steuern und Versicherung eines Kleinwagens für ein Jahr. Unser Auto soll in erster Linie robust und zuverlässig sein und einen Full-Flex-Fuel Motor besitzen. Mit einem solchen Motor kann Alkohol (Ethanol/Methanol) und Benzin in beliebigen Mischungsverhältnissen genutzt werden. Im Gegensatz zu Europa werden in Brasilien keine PKW mit Dieselmotoren zugelassen. Diesel ist Nutzfahrzeugen, wie z.B. Lastkraftwagen (LKW) vorbehalten. In Brasilien stehen für Personenkraftwagen (PKW) zwei verschiedene Kraftstoffe zur Verfügung, Ethanol und Benzin. Etwa 90% aller Neufahrzeuge in Brasilien sind Full-Flex-Fuel Fahrzeuge. Lediglich aus dem Ausland importierte Modelle sind nur auf die Verfügbarkeit von Benzin angewiesen. Auf Alkohol angepasste und mit diesem betriebene Motoren, bieten auf Grund der höheren Klopffestigkeit des Ethanols mehr Leitung als vergleichbare Benzinmotoren. Durch den geringeren Heizwert von Alkohol liegt der Verbrauch bei der Nutzung von Ethanol in der Praxis zwischen 20 % und 30% über dem von Benzin. In Brasilien werden diese Fahrzeuge bei der Verwendung von Ethanol als CO2-Neutral betrachtet. Das das in der Praxis natürlich auf Grund vieler Faktoren bei weitem nicht der Fall ist, lasse ich an dieser Stelle mal außen vor.

Die Ursprungsidee

Ursprünglich hatten wir an einen VW Gol (ohne „f“) gedacht. Fahrzeuge diesen Typs hatten wir in der Vergangenheit bei unseren Brasilienreisen immer wieder ausgeliehen und waren damit auch durchweg zufrieden. Die Maße eines VW-Gol liegen in etwa zwischen denen eines VW-Up und denen eines VW-Polo. Häufig wird der Gol mit 1.6 Liter Hubraum angeboten. In dieser Ausführung bietet er ausreichend Leistung für den Alltag. Auch das Ladevolumen des Kofferraums ist für zwei Personen ausreichend. Der VW-Gol besitzt kein ASR und kein ESP. Auf den, sehr häufig in Brasilien vorkommenden, Staubstraßen hat das Vorteile. Gerade bei Regen und matschigen Untergrund ist das Hinauffahren auf Anhöhen so besser möglich. Fahrzeuge, bei denen sich die Regelungen nicht abschalten lassen, haben in solchen Situationen häufig das Nachsehen. Das können wir aus unseren Vergangen Reisen auch bestätigen.

Das neue Auto

Der Vorschlag unserer Eltern/Schwiegereltern ließ nicht lange auf sich warten. Nach kurzer Zeit war bereits ein Auto, das den Kriterien entspricht gefunden. Es handelt sich jedoch nicht, wie ursprünglich gedacht um einen VW-Gol, sondern um einen VW-Polo. Der Hauptunterschied, zum VW-Gol ist in erster Linie die Größe. Der Polo ist größer und bietet somit mehr Platz für Insassen und Ladung. Er besitzt einen 1.6 Liter Flexfuel Motor mit 120 PS. Die Innenausstattung ist, im Hinblick auf den Kaufpreis, auf das nötigste begrenzt. Das Auto ist ein Neufahrzeug mit 0 km Laufleistung und einem Gesamtpreis von 55.990 BRL. Wir haben für 1 Euro 5,60 BRL getauscht. Somit haben wir für das Auto 9.998 Euro bezahlt. Im Vergleich dazu, kostet ein vergleichbarer Polo in Deutschland, etwa 15.000 bis 18.000 Euro. In Deutschland gibt es den Polo, als Neuwagen, auch nur mit einem 1.0 Liter Motor und 80 PS. Ich persönlich finde diese Variante untermotorisiert, da mit 80 PS das Überholen von LKW und längeren Tracktorgespannen merklich erschwert wird.

Warum ein Neuwagen

Prinzipiell bin ich kein Freund von Neuwagenkäufen. In Deutschland macht es meist weniger Sinn einen Neuwagen zu kaufen. Es gibt in der Regel gut bis sehr gute Jahreswagen mit wenig gefahrenen Kilometern, Garantie und mit Preisnachlässen zum Neuwagen von bis zu 30%. In Brasilien stellt sich die Situation etwas anders da. Die Preisnachlässe gegenüber einem Neuwagen sind wesentlich geringer und der Verschleiß des Fahrzeugs, auf Grund des brasilianischen Fahrstiels und der Straßenbedingungen, um einiges höher. Das Vertrauen in das Fahrzeug wächst mit der Verlässlichkeit und die ist bei einem Neuwagen in Brasilien um einiges höher als bei einem Semi-Novo. Dieser Aspekt und der unschlagbare Preis des Autos, haben uns letztendlich dazu bewogen ein Neufahrzeug, anstatt einem Gebrauchten anzuschaffen.


Im nächsten Post werden wir ein Update zu unserem Umzugsvorbereitungen geben.

Am Ball bleiben

Die aktuelle Lage

In den letzten Wochen hat sich die Corona-Situation in Deutschland merklich verbessert. Auf Grund der stark gesunken Infektionszahlen, wurden viele Einschränkungen des Alltags entschärft oder wieder aufgehoben. Die meisten Geschäfte und Läden wieder geöffnet und das gesellschaftliche Leben beginnt langsam wieder zu erwachen. Größere Menschenansammlungen bleiben allerdings weiterhin untersagt. Aktuell dürfen sich nur Angehörige zweier Hausstände miteinander treffen. Das tragen eines Nasen-Mund-Schutzes beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und beim Einkaufen ist obligatorisch.

Wirft man allerdings einen Blick nach Brasilien, dann erscheint die Lage dort aktuell außer Kontrolle geraten zu sein. Brasilien verzeichnet im Moment weltweit, nach den USA, mit stark steigender Tendenz, die zweitmeisten Infektionen. Durch die Pandemie steigt zusehends der wirtschaftliche Druck auf das Land, seine Bewohner und die Währung (BRL). Der brasilianische Real hat in den letzten drei Monaten rapide an Wert verloren.

Das Versenden von Briefen und kleinen Warensendungen nach Brasilien ist inzwischen wieder möglich. Ab wann auch der Paketversand wieder möglich sein wird ist noch ungewiss.

Es ist im Moment schwer abzuschätzen, wie sich die Lage bis zu unserem Abflug Anfang Oktober entwickel wird. Aber wir gehen aktuell immer noch davon aus, dass wir unsere Reisepläne umsetzen können.

Wie kommen wir zu diesem Schluss?

Die Grundlage für die Annahme, dass wir trotz der suboptimalen Bedingungen dennoch unsere Reisepläne umsetzen können, liegt in der Beantwortung der folgenden drei essentiellen Fragen:

  • Wie wird sich die Versorgungslage, aber vor allem die politische Situation in Brasilien entwickeln?
  • Wie wird sich die Pandemie in Deutschland bis Anfang Oktober entwickeln?
  • Welche wirtschaftliche Auswirkung hätte ein Aufschub der Reise?
Die politische Entwicklung

Wir stehen aktuell im engen Kontakt mit unseren brasilianischen Familienangehörigen in Curitiba. Wir erhalte somit aus erster Hand eine kritische Beurteilung der Situation vor Ort. Demnach ist aktuell nicht davon auszugehen, dass es im Süden Brasiliens in nächster Zeit zu einer ernstzunehmenden Destabilisierung der Gesellschaftsordnung kommen wird. Es besteht zwar eine nicht zu unterschätzende Gefahr, dass das brasilianische Militär seinen Einfluss bei der Führung des Landes ausbauen könnte, aber Anzeichen für einen gewaltsamen Putsch mit anschließender Militärdiktatur sind aktuell eher unwahrscheinlich. Die Lage bleibt dennoch angespannt und muss weiter beobachtet und immer wieder neu bewertet werden.

Versorgung & Gesundheit

Insgesamt ist die Versorgungslage in Brasilien im Moment stabil. Wie in jedem Land gibt es hier und da Probleme mit der Versorgung einzelner Artikel aber im Großen und Ganzen ist die Grundversorgung gesichert. Ein Grund dafür dürfte sein, das Brasilien eine stark ausgeprägte Landwirtschaft besitzt und die Grundversorgung aus eigener Kraft decken kann. Die Lage im Gesundheitssystem ist regional durchaus kritisch einzuschätzen. Die voranschreitende Pandemie hat regional in einigen schwer betroffenen Regionen die Gesundheitsversorgung zum kollabieren gebracht. Jedoch ist das aktuell kein landesweiter Zustand. Auch wenn wir nicht zur Risikogruppe einer Corona-Infektion gehören, wäre die Situation für uns dann problematisch, wenn z.B. wegen einer anderen Erkrankung oder Verletzung medizinische Hilfe benötigt werden würde und diese Aufgrund eines überlasteten Gesundheitssystems ausbleiben würde. In Curitiba läuft die Gesundheitsversorgung aktuell allerdings weitestgehend normal.

Die Entwicklung in Deutschland

Obwohl in Deutschland die Pandemie aktuell unter Kontrolle ist, ist damit zu rechnen, dass es im kommenden Herbst und über die kommenden Wintermonate zu einem erneuten Aufflammen der Pandemie mit weitreichenden Folgen und erneuten Beschränkungen, insbesondere im Reiseverkehr kommen könnte. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass unser Flug auf Grund von erneuten Einschränkungen gestrichen wird, aktuell als moderat ein. Das liegt überwiegend daran, dass der Flug Anfang Oktober eher nicht in eine solche Phase fallen sollte.

Die Weichen werden gestellt

Mit voranschreiten der Vorbereitungen und Annäherung an den Abflugtermin, werden zunehmends Weichen in unserem Leben gestellt, die sich nicht, oder nur mit immensen finanziellen und zeitlichen Aufwand wieder umkehren lassen. Mit anderen Worten gesagt, je näher der Abflugtermin rückt, desto resistenter werden wir gegen eventuell auftretende Schmerzen im Zusammenhang mit unserer Reise. 😤

Wie geht es weiter?

Im nächsten Post werde ich euch ein Update darüber geben, wie wir die Einkommenssituation weiterhin gestalten wollen. Wir müssen uns zum einen für den Fall wappnen, dass wir die Reise doch kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Und auch wenn wir unsere Ziele wie geplant umsetzen können, wird es vor Ort in Brasilien in nächster Zeit schwierig werden Einkommen zu generieren. Diesem Umstand müssen wir zunehmend in unserer Planung Aufmerksamkeit schenken.

Das aufwändige Visum

Das Visum für Beers ist einer der wichtigsten Schritte um uns für längere Zeit in Brasilien aufhalten zu dürfen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten sich ein Visum für Brasilien ausstellen zu lassen. Wird einem das Visum zum ersten Mal ausgestellt, dann sind alle Arten zeitlich limitiert. Zum Beispiel ist es möglich ein Arbeitsvisum zu erhalten, wenn eine brasilianische Firma, z.B. für die technische Assistenz, einen entsprechenden Antrag beim Arbeits/Justizministerium stellt und dieser von der Behörde genehmigt wird. Über diesen Weg werden häufig Auslandseinsätze für Mitarbeiter größerer Firmen legitimiert.

Da wir verheiratet sind, kam für uns in erster Linie das Visum XI für Ehegatten in Frage. Doch bevor dieses Visum beantragt werden konnte, mussten einige Voraussetzungen erfüllt werden.


Im ersten Schritt muss eine brasilianische Heiratsurkunde beantragt und vom brasilianischen Konsulat ausgestellt werden. Dazu benötigt man eine originale internationale Heiratsurkunde,die Geburtsurkunden beider Ehepartner, eine Güterstandserklärung und einiges mehr. Alle Dokumente sind im Original und als Kopie einzureichen. Wir waren sehr erstaunt, als wir beim Lesen der Voraussetzungen lasen, dass die Geburtsurkunde des brasilianischen Ehepartners nicht mehr als 180 Tage vor der Eheschließung ausgestellt worden sein darf. Das ist insofern verwunderlich, dass eine brasilianische Geburtsurkunde, nach der Ausstellung, nur sechs Monate gültig ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man die Geburtsurkunde ausstellen lassen muss und dann innerhalb von sechs Monaten heiraten und die brasilianische Eheurkunde beantragen muss. Andernfalls ist die geforderte Bedingung nicht einzuhalten. Alle Geburtsurkunden die Beispielsweise nach der Eheschließung ausgestellt wurde, werden laut der Verlautbarung des Konsulats vermutlich nicht akzeptiert. Wir hatten bereits für unsere Eheschließung in Deutschland eine brasilianische Geburtsurkunde mit Apostille für Bees in Brasilien ausstellen und nach Deutschland schicken lassen. Diese musste hier vor Ort von einem staatlich anerkannten Übersetzer ins Deutsche übersetzt und die Apostille beglaubigt werden. Das ganze war mit mehr als 500€ bereits ein teurer Spaß. Unser Ziel war es fortan, diese Geburtsurkunde für das Beantragen aller Dokumente, angefangen von unserer Hochzeit bis hin zu Beers Visum zu nutzen. Der eigentlich Beantragungsprozess der Heiratsurkunde ging sehr schnell. Nachdem wir den erforderlichen Online-Antrag ausgefüllt und alle Dokumente vorab eingereicht hatten, bekamen wir zeitnah einen Termin für ein persönliches Vorsprechen. Bei diesem Termin wurde die brasilianische Heiratsurkunde auch direkt ausgestellt, sodass wir sie mit nach Hause nehmen konnten.


Im zweiten Schritt musste Bees ihren brasilianischen Reisepass neu ausstellen lassen, da sich ihr Name mit der Hochzeit und nun mit der brasilianischen Geburtsurkunde geändert hatte. Leider ist dieser Prozess aufwendiger als in Deutschland. Es muss ein aufwendiges Online-Formular ausgefüllt und einige zusätzliche brasilianische Dokumente mit diesem zusammen eingereicht werden. Wir hatten diesen Antrag in der Vergangenheit bereits einmal ausgefüllt, sodass wir dieses Mal nur einen Samstag dafür benötigten.


Damit waren alle Voraussetzungen für Beers Visum erfüllt. Um das Visum beantragen zu können, sind neben unserer brasilianischen Heiratsurkunde und Bees ihrem neuen brasilianischen Reisepass noch weitere Dokumente erforderlich. Beers musste eine internationale Geburtsurkunde bei seinem Geburtsstandesamt beantragen und diese apostillieren lassen. Die Apostille wird abhängig vom Bundesland von unterschiedlichen Ämtern vorgenommen. Beers wurde in Thüringen geboren, dort übernimmt diese Aufgabe das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar. Parallel beantragte Beers noch ein polizeiliches Führungszeugnis mit Apostille. Das Führungszeugnis wird bei dem für den Wohnsitz zuständigem Bürgeramt beantragt. Die Apostille für das Führungszeugnis wird deutschlandweit einheitlich vom Bundesjustizministerium in Bonn ausgestellt.Das Visum konnte nach dem erneuten Ausfüllen eines Online-Antrags und dem postalischen Einreichen aller Unterlagen inklusive Beers Reisepass ohne erneutes Vorsprechen beim brasilianischen Konsulat beantragt und ausgestellt werden. Nach ca. einer Arbeitswoche bekam Beers seinen Reisepass vom Konsulat mit dem langersehnten Visum zurück. Just-In-Time bevor auf Grund der Corona-Krise die Konsulate schlossen.

Die Coronakrise

Die rasante Ausbreitung eines Virus namens Sars-CoV-2 stürzt die gesamte Welt in einen Lockdown. Es ist eine der größten Krisen der letzten Jahrzehnte. Millionen Menschen sind infiziert und Zehntausende bereits gestorben. In vielen europäischen Ländern gelten Ausgangssperren und Kontaktverbote. Die innereuropäischen Grenzen sind geschlossen und passieren darf aktuell ausschließlich der Güter- und Warenverkehr. Um die dramatischen wirtschaftlichen Folgen abzufedern, werden allein in Deutschland Hilfspakte in Höhe von 1,2 Billionen Euro auf den Weg gebracht. Das klinkt im ersten Moment nach einem dramatischen Zukunftsszenario. Doch aktuell befinden wir uns genau in einer solchen Situation.


Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, als könnten wir unseren Traum von einer Auszeit in Brasilien dieses Jahr wahr werden lassen. Doch trotz dieser düsteren Aussichten, gibt es auch einige Lichtblicke die uns positiv stimmen. Es gilt zwar ein Einreiseverbot für EU-Bürger nach Brasilien, allerdings dürfen diese einreisen, wenn sie einen gültigen Aufenthaltstitel für Brasilien besitzen. 🐝 ist Brasilianerin und darf deswegen nach Brasilien einreisen, ich besitze ein gültiges Visum und bin mit ihr verheiratet. Dieser Umstand versetzt mich in die glückliche Lage, ihr folgen zu dürfen (@🐝 : Danke schon mal dafür 🙂). Der zweite Lichtblick ist, dass erstaunlicherweise immer noch Passagierflugzeuge zwischen Frankfurt und Sao Paulo verkehren und unser für Oktober geplanter Flug noch nicht storniert wurde. Auch das ist ein Grund für Freudensprünge die ich deshalb jeden Tag vollziehe.


Diese ganze Euphorie soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nun auch eine ganze Reihe neuer Herausforderungen gibt. Ganz oben auf der Liste steht der Paketversand! Es ist aktuell nicht möglich Pakete zwischen Deutschland und Brasilien zu versenden. Laut DHL liegt der Grund dafür in Problemen bei der Verzollung und der Zustellung innerhalb Brasiliens. Das kann ich aktuell gut nachvollziehen, da die Grenzen zwischen den Bundesstaaten in Brasilien geschlossen sind. Darüber in welchem Ausmaß der Güterverkehr und damit auch das verteilen der Pakete zwischen den Verteilzentren der Correios (Post in Brasilien) betroffen sind, liegen uns aktuell keine weiteren Informationen vor. Alle ausländischen Pakete werden in der Regel in Rio de Janeiro verzollt und dann weitergeleitet. Gestern wurde allerdings bekannt, dass sich einige Staaten, darunter auch Deutschland und Brasilien, für den ungehinderten Warenverkehr in der Krise einsetzen. Das macht uns Hoffnung, dass der Paketversand in ein bis zwei Monaten wieder möglich sein wird. Insgesamt sind wir natürlich froh, dass wir in den letzten 1,5 Jahren schon eine ganze Menge Pakete nach Brasilien verschicken konnten und nun nicht ganz am Anfang stehen. Wir halten euch über den weiteren Verlauf natürlich auf dem Laufenden.

Die Hochzeit

Herz aus Rosen auf der Motorhaube
Herz aus Rosen

Wir können euch voller Glück und Freude mitteilen, dass wir uns nach zehn glücklichen gemeinsamen Jahren das “Ja”-Wort gegeben haben.

Dieser Schritt fühlt sich für uns absolut richtig an!

Mit Beers an meiner Seite, habe ich den perfekten Partner fürs Leben gefunden. Wir teilen viele gemeinsame Interessen wie z.B. das Bierbrauen, die Natur, die Bienen und das Reisen. Auf unserem gemeinsamen Lebensweg haben wir viele schöne Dinge erlebt, Probleme gelöst, gemeinsame Ziele erreicht und auch schwere Tage durchgestanden. Jeder unterstützt den anderen so gut er kann, damit wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen können.
Wir sind nun offiziell eine Familie und können es kaum erwarten, dass unser Abenteuer in Brasilien beginnt. Wenn es nach uns ginge, dann würden wir am liebsten schon gleich morgen aufbrechen 😁.
Jetzt heißt es zielstrebig und geduldig alle Dokumente beantragen um unsere Ehe in Brasilien zu registrieren und darauf aufbauend
ein Visum für Beers zu bekommen.
Wir sind zuversichtlich, dass alles klappt wie wir uns das
vorstellen. Wir halten euch natürlich am laufenden.

Die Erfahrung lehrt uns, dass Liebe nicht nur darin besteht, dass man einander ansieht, sondern auch, dass man gemeinsam in die gleich Richtung blickt.

Antoine de Saint-Exupery

Die Finanzierung

Heute möchte ich mal wieder ein kleines Update über den Fortschritt der aktuellen Planung und Umsetzung unsres Auslandsaufenthalts in Brasilien geben. Dabei möchte ich euch auch unseren Plan zur Finanzierung dieses Unternehmens kurz erläutern. Neben einem Plan wie ein Auslandsaufenthalt organisatorisch umgesetzt wird, spielt natürlich dessen Finanzierung auch eine entscheidende Rolle. Nichts ist unangenehmer als, wenn man kurz nach einem erfolgreichen Umzug feststellt, dass einem die finanziellen Mittel fehlen um die bevorstehende Zeit sicher zu finanzieren.


Finanzierung ist individuell

Es gibt eine Reihe von Ansätzen, wie sich solche Unternehmungen finanzieren lassen. Es ist aus unserer Sicht effektiv zu versuchen die benötigten Mittel aus mehrere Quellen zu gewinnen. Beschränkt man sich auf nur wenige oder gar nur eine Art der Finanzierung, besteht immer ein Risiko, dass es einem schnell an Mitteln fehlt, um den Auslandsaufenthalt fortzuführen. Neben dem Einkommen, spielen natürlich die Ausgaben eine mindestens genauso große Rolle. Darum gilt es auch die Ausgaben neben dem Einkommen im Blick zu behalten.


Die Ausgaben

Aus unserer Sicht sind die kritischste Art von Kosten langfristige Fixkosten, also Kosten die immer wiederkehrend anfallen und den Geldbeutel nachhaltig belasten. Zu diesen Kosten zählen unter anderem Kosten für Versicherungen (z.B. Krankenversicherung) oder Abonnements. Um bei der Finanzierung flexibel zu sein, ist es in jedem Fall anzuraten, diese Art von Kosten auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Bei einem Einkommensengpass, bietet dies die Flexibilität, auch die Kosten flexibler an die Situation anzupassen. Muss man also über einen gewissen Zeitraum mit weniger Einkommen auskommen, dann lassen sich über diesen Zeitraum auch die Ausgaben flexibler anpassen. Abonnements haben hingegen häufig Laufzeiten, innerhalb derer man die Verbindlichkeit nicht beenden kann und sich somit auch die Ausgaben nur schwer oder gar nicht reduzieren lassen. Unserer Ansicht nach muss in erster Linie darauf geachtet werden, langfristige Verbindlichkeiten z.B. in Form von Abonnements, Versicherungen oder Krediten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Auf der anderen Seite sind einige Ausgaben dieser Kategorie unverzichtbar. So ist z.B. die Absicherung im Krankheitsfall im Inn- und Ausland nicht zu vermeiden und muss finanziert werden. Welche Laufenden Kosten kommen nun auf uns zu?

Langfristige FixkostenHöhe
KrankenversicherungHoch ca. 250€/Monat
HaftpflichtversicherungGering ca. 7,50€/Monat
Technische InfrastrukturGering ca. 15€/Monat
Verwahrung Auto + SonstigesMittel ca. 70€/Monat
Nahrung+Hygene (Mindestkosten)Hoch ca. 250€/Monat
Gesamt592,50€/Monat

Diese Kosten sind für uns Fixkosten und lassen sich nur im geringen Maß und nur langfristig ändern. Zu diesen Ausgaben gesellen sich noch einige Fixkosten, die sich mittelfristig steuern lassen.

Mittelfristige FixkostenHöhe
UnterkunftMittel ca. 100€/Monat
NebenkostenMittel ca. 50€/Monat
StreamingGering ca. 5€/Monat
Heise-Plus-AboGering 10€/Monat
Auto-Brasilien (Steuern/Versicherung)Mittel 50€/Monat
Gesamt215€/Monat

Am Ende stehen noch die variablen Kosten, die sich im Notfall kurzfristig stark senken oder gänzlich vermeiden lassen.

Variable KostenHöhe
TreibstoffMittel 100€/Monat
ReisenHoch 200€/Monat
KulinarischesMittel 80€/Monat
Gesamt380€/Monat

Wir gehen davon aus das wir im Durchschnitt ca. 1200€ zum Leben pro Monat brauchen. Das bedeutet wir brauchen ca. 15000€ pro Jahr. In diesem Betrag wären bereits 2400€ pro Jahr für Reisen, Abenteuer und Entdeckungen inbegriffen. Längere Reisen werden bei Bedarf separat finanziert.


Das Einkommen

Zu Beginn müssen wir die Kosten aus unseren Ersparnissen decken. Dafür haben wir in den letzten Jahren ein ganz gutes Polster angespart. Wir haben somit ausreichend Zeit neue Einkommensquellen zu evaluieren und zu erschließen.

Ursprünglichen war vorgesehen, dass ich weiter für meinen derzeitigen Arbeitgeber am Standort in Curitiba arbeite. Leider war das mit fortschreitender Planung aus betriebsinternen Gründen nicht mehr möglich. Daraufhin mussten wir unsere Planung anpassen und an die Stelle meines Arbeitgebers wandert nun die Selbständigkeit als Beratender Ingenieur. Zu diesem Zweck werden wir auch während unserer Abwesenheit einen Hauptwohnsitz in Deutschland unterhalten und zu Beginn auch den Mindestbeitrag in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen.

Da wir bis zu diesem Zeitpunkt verheiratet sein werden und Bees kein Einkommen in Deutschland erwirtschaftet, können wir sie über mich kostenfrei in der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichern. Das kommt uns entgegen, da Bees aktuell noch Mitglied in der privaten Krankenversicherung ist und sie somit nun die Möglichkeit hat, über die Familienversicherung zurück in die Gesetzliche zu wechseln. 👍👍

Der Umstand, dass ich meine Leistungen hauptsächlich aus der Ferne erbringen kann, wird dazu führen, dass zu Beginn nur mit einem kleinen Einkommen zu rechnen ist. Ich wäre zwar bereit im Ausnahmefall auch für kurze Zeit zurück nach Deutschland zu fliegen um Details vor Ort zu klären, allerdings bieten die moderne Welt sehr gute Möglichkeiten viele Aufgaben auch ohne Qualitätsverlust aus der Ferne zu bearbeiten. Mir kommt zugute, dass ich in den letzten 15 Jahren immer in internationalen und weltweit verteilten Teams gearbeitet habe und die Pros und Cons sowie die Methodiken dieser Arbeitsweise kenne. Wir werden sehen, wie sich das Geschäft entwickelt. Zeigt sich das Geschäft nach der Startphase nicht als profitabel, um mindestens die damit verbunden Kosten zu decken, dann kann man es mit wenig Aufwand und Kosten wieder einstampfen. Damit könnten wir uns nachfolgend auch die Kosten für die deutsche Krankenversicherung sparen und uns mit einer wesentlich günstigeren Anwartschaftsversicherung den Anspruch auf Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung nach der Rückkehr aus dem Ausland sichern.

Wir werden zusätzlich versuchen noch Sponsoren zu finden, die uns bei einzelnen Aktivitäten in Brasilien unterstützen. Ob das klappt, hängt vom Interesse der Unternehmen ab, ihre Produkte im Ausland in Aktion zu sehen. Wir werden coolen und hilfreichen Produkten, die wir selber nutzen Beiträge widmen, in denen wir diese objektiv beschreiben, sie in Aktion zeigen und für diese eine persönliche Wertung abgeben. Wir möchten es vermeiden auf unserem Blog Werbung z.B. in Form von Bannern zu schalten. Es soll auch kein User-Tracking oder sonstiges Sammeln von Nutzerinformationen geben. Jeder soll aus freien Stücken entscheiden, für welche Themen er/sie sich interessiert und diese Artikel lesen.

Eine weitere Möglichkeit wird sein, vor Ort in Brasilien zu versuchen ein Einkommen mit den Dingen die uns Spaß machen zu erwirtschaften. Hierzu zählen z.B. das Bierbrauen, Imkern oder auch das Reisen. Wie wir das genau umsetzen und ob wir damit erfolgreich sein werden, wird sich mit der Zeit zeigen. Wir haben schon viele Ideen, die es Wert sind ausprobiert zu werden. Wir halten euch auf diesem Blog in jedem Fall auf dem Laufenden.

Die Netzanbindung

Heute möchte ich euch mal wieder ein paar Infos zu unserem Umzug nach Brasilien geben. In letzter Zeit habe ich mich mit der Netzanbindung von Brasilien nach Deutschland beschäftigt. Es gibt verschiedene Gründe warum eine solche Anbindung interessant ist.

Die Gründe

Für uns steht an erster Stelle die Wartung der IT-Infrastruktur meiner Familie in Deutschland. Für uns fällt dabei die Verfügbarkeit einer deutschen Telefonnummer für innerdeutsche Gespräche zum Nulltarif ab. Darüber hinaus bietet eine solche Kopplung auch die Möglichkeit deutsches Fernsehen, Radio oder Streaming-Dienste vom Ausland aus zu nutzen. Geoblocking wird von vielen Diensten im Internet genutzt um Nutzer dieser Dienste davon abzuhalten, ihre Angebote auch aus anderen Ländern zu nutzen.

Die Realisierung

Die Kopplung des brasilianischen Internetanschlusses mit dem deutschen Internetanschluss lässt sich auf verschiedene Wege realisieren. Verschiedene Netzwerke lassen sich am einfachsten und effektivsten über OpenVPN miteinander koppeln. Im Internet gibt es sehr viele Anleitungen wie eine solche Ankopplung zu realisieren ist. Alternativ wäre es auch möglich so etwas z.B. über IPSec oder über SSH(badvpn) zu realisieren. Diese Optionen haben allerdings gegenüber OpenVPN z.T. entscheidene Nachteile. OpenVPN ist frei, schnell, sicher und leicht skalierbar. Deshalb haben wir uns für diese Kopplung entschieden. Wir verwenden dazu eine Kombination aus zwei RaspberryPi Geräten. Eines der beiden Geräte wird als OpenVPN-Server konfiguriert und an einem Internetanschluss in Deutschland betrieben. Das zweite Gerät wird an unserem zukünftigen Internetanschluss in Brasilien betrieben. Das brasilianische Gerät ist so konfiguriert, dass es als VPN-Router agiert. Das Gerät stellt einen WLAN-Accesspoint bereit und routet den gesamten Internetverkehr der im WLAN eingeloggten Geräte in den VPN-Tunnel. Der Vorteil daran ist, dass die Endgeräte wie Fernseher, Streaming-Sticks, Laptops usw. keine separate VPN-Funktionalität benötigen. Für unseren Anwendungsfall nutzen wir dafür zwei Raspberry Pi 4 Model B mit 4 GB RAM.

Die Probleme

Nachdem wir den VPN-Server konfiguriert und innerhalb Deutschland erfolgreich getestet hatten, konfigurierten wir einen Laptop in Brasilien als OpenVPN-Client. Auch dieser Test verlief erfreulicherweise erfolgreich. Im Glauben, dass jetzt alles soweit getestet und einsatzfähig ist, schickten wir den zweiten RaspberryPi, damals noch ein RaspberryPi 3 B+, inklusive Zubehör nach Brasilien. Die VPN-Konfiguration, inklusive der Schlüssel, wurden zuvor gesichert und vom Gerät entfernt. Sollte das Gerät auf dem Transportweg verloren gehen oder gestohlen werden, dann geht man damit zusätzlicher Arbeit aus dem Weg. Nach der Ankunft wird die Konfiguration dann über SSH wiederhergestellt.

Das erste Gerät

Kaum war das Gerät in Curitiba angekommen, fingen wir an die Konfiguration wieder herzustellen. Wir stellten allerdings fest, dass die Performance unzureichend war. Auf der Suche nach dem Fehler fiel nach einigen Neustarts das komplette Gerät aus und ließ sich nicht mehr booten. Damit war das erste Gerät bereits am ersten Tag nach seiner Ankunft in Brasilien funktionsunfähig. Wir stempelten das Verhalten als Herstellerproblem ab und ich kaufte direkt einen neuen Raspberry Pi 4 Model B, konfigurierte ihn und versendete ihn mit dem nächsten Paket nach Curitiba.

Das zweite Gerät

Vier Wochen später erreichte der zweite Pi sein Ziel und wir begannen aufs Neue mit der Konfiguration. Kurz darauf mussten wir wieder massive Probleme mit der Netzwerkperformance feststellen. Zeitweise gingen 70% der Pakete verloren und entsprechend schlecht war der Pi zu bedienen. Die gute Nachricht war, dass die Hardware des Pi diesmal nicht den Geist aufgab und er weiterhin kontrollierbar blieb.

Finde die Ursache

Was nun folgte, war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Glücklicherweise sollten wir sie zu einem späteren Zeitpunkt noch finden. Aus meiner Erfahrung weiß ich, solchen Problemen begegnet man am besten mit Durchhaltevermögen und strukturierter Fehleranalyse.

Kein Licht am Ende des Tunnels

Im ersten Schritt prüften wir, ob die Probleme auch mit dem bereits konfiguriertem Laptop bestanden. Dabei zeigte sich allerdings ein differenziertes Bild. Der Laptop zeigte in den Tests zwar keine massiven Performanceprobleme, aber zeitweise dennoch starke Schwankungen. Abschnittsweise zeigte der PI sogar eine gute bis sehr gute Netzwerkperformance. Mein Resümee nach den ersten Tests war, dass es vermutlich kein Probleme mit der Hardware des Pi’s wäre. Dennoch ließ ich Kabel und die Ports am Router kontrollieren und tauschen. Es zeigte sich keine Besserung und mein Verdacht viel auf das CGNAT (Carrier-Grate-NAT) des Providers. In Brasilien sind sehr viele Internetanschlüsse als IPv6-Only-Stack ausgeführt. Das ist zu vergleichen mit den DSL-Lite Anschlüssen in Deutschland. Die CGNAT’s der Provider dienen also als Umsetzer zwischen den Protokollen IPv4 und IPv6. Unser DSL-Anschluss in Deutschland war zu diesem Zeitpunkt zu einem IPv4-Only Anschluss zurückgestuft worden, sodass die Protokolle immer ineinander umgesetzt werden mussten. Zu Beginn unserer Tests, war der DSL-Anschluss in Deutschland noch Dual-Stack fähig. Er bot also beide Funktionalitäten. Nach ein paar Monaten wurde die IPv6 Funktionalität aber plötzlich mit der Begründung, dass es sich nur um ein Test gehalten habe abgeschaltet. Die Abschaltung überschnitt sich unglücklicherweise mit unseren Tests und es fehlte uns nun auch die Möglichkeit die Performance erneut über IPv6 zu messen. Das Fehlerbild erhärtete die Vermuten weiter, dass es am CGNAT des brasilianischen Providers liegen könnte. Die Performance war teilweise gut und teilweise miserabel. Ich führte weitere Tests durch und mietete mir parallel einen VServer mit IPv6-Unterstützung in Deutschland an. Mir kamen langsam Zweifel an unserer Theorie auf, als ich parallel die Performance des Pi und des Laptops in den frühen Morgenstunden eines brasilianischen Tages vermaß. Während der Laptop eine sehr gute Performance auswies, wartete der Pi mit extrem schlechter Performance auf. Nach dem Tausch von Kabeln und Ports verbesserte sich plötzlich die Performance um sich nach einigen Stunden wieder extrem zu verschlechtern. Der VServer war zwar mittlerweile aufgesetzt, aber auf Grund von Konfigrationsfehlern beim Hoster war es nicht möglich den Server über IPv6 zu erreichen. Es sollte geschlagene drei Wochen dauern, bis der Fehler beim Hoster behoben und der Server über IPv6 erreichbar war. Weitere Tests ergaben, dass unabhängig vom verwendeten Protokoll die Performance stark schwankte.

Zurück auf Los

Manche Situationen im Leben bedingen es, einen Schritt zurück zu machen, um wieder einen in eine andere Richtung nach vorn gehen zu können. Glücklicherweise hatte ich im letzten Paket nach Brasilien einen USB-LAN-Adapter mitgesendet und ich dachte mir, es könnte nicht schaden, mal ein anderes Interface für die Datenübertragung auszuprobieren. Kaum hatte ich das Interface konfiguriert, war die Performance um Dekaden besser. Der Verlust von Paketen reduzierte sich von 70% auf 0%. Die Datenübertragungsrate stieg von einigen Kb/s bis auf 33 MBit/s. Natürlich schwankte die Datenübertragung auch nach dieser Änderung, abhängig von der Tageszeit, zwischen 8 MBit/s und 33 MBit/s aber es lief endlich schnell und stabil. Ich gehe mittlerweile davon aus, dass der Router in Brasilien nach einer Weile Probleme auf seinen externen LAN-Interfaces aufweist. Es kommt dann zu hohen Paketverlusten und zu extrem geringen Übertragungsraten. Startet man die Box neu, ist das Problem behoben. Häufig reicht es sogar aus, einfach das Kabel kurz vom LAN-Interface zu trennen. Leider gibt es in Brasilien den Routerzwang, was es uns nicht ermöglicht direkt eigene Hardware zu nutzen. Aber sobald wir in Brasilien sind, lasse ich mir dafür noch etwas einfallen. 😄 Für den Moment, reicht uns die Erkenntnis. 👍

Juhu die Datenübertragung steht! 👍