Auf ins Abenteuer

Nachdem der Autoreifen repariert war und wir unsere Wohnung an unsere Vermieterin übergeben hatten, haben wir uns ab dem 22. September für die letzten paar Tage im Haus meiner Eltern einquartiert. Die Zeit bis zu unserem Abreisetag am 04. Oktober haben wir genutzt um abschließend alle Dinge für unsere Ausreise nach Brasilien vorzubereiten.

Das Auto endgültig einmotten

Ganz oben auf der Liste, der Dinge die wir noch zu erledigen mussten, stand, das Auto für die nächsten Jahre in unserer Garage einzumotten. Jetzt werden sich sicherlich einige fragen, warum wir das Auto nicht einfach verkauft haben. Die Antwort ist, dass wir zum einen an unserem Auto hängen, wir haben über so viele Jahre so viele Reisen mit ihm gemacht, dass es uns schwer fallen würde, dieses sehr zuverlässige Auto zu verkaufen. Es ist, mit seinen mittlerweile 250.000km, auf unseren Reisen nie ernsthaft kaputt gegangen oder liegen geblieben. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir in der Vergangenheit immer großzügig in die Instandhaltung investiert haben. Im ersten Schritt haben wir den Golf gründlich von außen und von innen gereinigt. Auf Grund eines unglücklichen Missgeschicks, ist mir Felgenreiniger im Kofferraum ausgelaufen 🙄. Es hat uns fast einen Tag gekostet , diesen wieder zu entfernen. Unabhängig von der Distanz niemals Felgenreiniger ungesichert im Kofferraum transportieren❗❗❗ Nach ca. zwei Tagen war die Reinigungsaktion abgeschlossen. Glücklicherweise zeigte sich das Wetter freundlich für die kommenden Tage. Wir konnten das Auto bequem trocken warm fahren. Da der Golf einen Kunststofftank hat und dieser nicht rostet, ist es ratsam ihn über eine so lange Zeit nicht voll betankt abzustellen. Der Vorteil liegt darin, dass bei der Wiederinbetriebnahme in einigen Jahren direkt frisches Benzin getankt werden kann. Um das restliche Benzin im Tank bestmöglich vor Korrosion zu schützen, gibt es Additive zu Kaufen, die dem Benzin vor der Außerbetriebnahme beigemengt werden. Vor der Einfahrt in die Garage, haben wir den Reifendruck auf drei Bar erhöht. Die Druckerhöhung hilf, zusammen mit den bereits in der Garage platzierten Reifenschonern, die Bildung von Standplatten zu reduzieren. An der Garage angekommen, haben wir das Dachzelt montiert und das Auto im Anschluss rückwärts in die Garage auf die Reifenschoner gefahren. Im letzten Schritt wurde noch die Batterie aus dem Golf entfernt und im Heizungskeller meiner Eltern eingelagert. Wird die Batterie gleichmäßig warm gelagert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch nach längerer Standzeit noch genutzt werden kann. Sollte sich nach unserer Rückkehr herausstellen, dass die Batterie nicht mehr funktionsfähig ist, dann werden wir sie einfach ersetzen.

Der letzte Ausflug

In Thüringen gibt viele schöne Ausflugsziele die einen Besuch lohnen. Vom Wandern am Rennsteig, einem Besuch der Wartburg bis hin zu den Talsperren, Bergseen, Burgen und dem Schlendern in den schön kleinen und größeren Städten. Um einen Eindruck von der Schönheit dieses Freistaats zu bekommen, haben wir uns, für unseren letzten Ausflug, für eine kleine Rundtour angefangen vom Gothaer Schloss, über die Wartburg und Ebertswiese bis zur Hohenwartetalsperre entschieden. Für die Tour haben wir uns einen 30 Jahre alten BMW meiner Mutter ausgeliehen. Anbei ein paar visuelle Eindrücke von der Schönheit der Natur.

Der Abschied

Nachdem wir noch einige Tage bei meinen Eltern verbracht haben, nähert sich nun der Tag des Abschieds. Von Bees ihrem in Deutschland lebenden Teil der Familie, wie Opa, Tanten und Schwestern und von unseren Freunden haben wir uns bereits vor einiger Zeit mit Besuchen und einem Grillen verabschiedet. Nun müssen wir uns auch nach und nach von meiner Familie verabschieden. Ein letzter Besuch und ein letztes Bier bei meinem Opa, einem letzten Grillen bei meinem Vater und Geschwistern und ein letztes Treffen mit meinem Onkel und meiner Tante läuten das Ende unser Zeit in Deutschland und den Beginn unseres Abenteuers in Brasilien ein.

Der Abflug

Am Morgen des 04.Oktober 2020 war es nun soweit, unser letzter Tag in Deutschland war angebrochen. In den letzten Stunden kontrollierten wir ein letztes Mal die Gültigkeit all unsere Dokumente. Alle wichtigen Reiseunterlagen wurdenleicht zugänglich im Handgepäck verstaut. Ein letztes Mal kontrollierten wir das Gewicht unseres Gepäcks und verstauten es im Auto. Meine Mutter hatte sich bereit erklärt uns zum Flughafen nach Frankfurt zu fahren. Gegen 14:00h, nach dem Mittagessen, setzten wir uns ins Auto und fuhren los in Richtung Frankfurt. Unser Flug war für 21:45h bestätigt. Als wir gegen 16:30h am Flughafen in Frankfurt ankamen, trat uns ein ungewöhnliches Ambiente entgegen. Es herrschte kein Andrang, kein Gewusel und keine Hektik. Den wenigen Menschen, denen wir in der Vorhalle des Flughafen begegneten, schienen zielgerichtet ohne Umwege ihren Zielen nachzugehen. Die Geschäfte, Bars und Restaurants waren geschlossen, sodass wir nur unser mitgebrachtes Essen im Außenbereich des Flughafens verspeisen konnten.

Alles anders als sonst

Wir sind keine Vielflieger. In den letzten 10 Jahren sind wir insgesamt 3 Mal Langstrecke geflogen. Wir waren den Check-In am Schalter gewöhnt und stellten uns auch dieses Mal für den Check-In am Schalter von LATAM-Airlines an. Auch wenn der Flughafen im Allgemeinen wenig besucht war, so herrschte am Schalter für den Flug LA8071 großes Gedränge. Es schien, das viele, in Deutschland lebende Brasilianer, die Gunst der Stunde nutzen wollten, um zu sehr günstigen Konditionen, ihre Familien in Brasilien zu besuchen. Zeitweise kosteten die Flüge von Frankfurt nach Sao Paulo nur um die 400€. Wenn man bedenkt das in normalen Zeiten die Flüge zwischen 850€ und 1200€ kosten, dann sind die aktuellen Flüge richtige Schnäppchen.

Der Check-In

Nachdem wir ca. 10 Minuten in der Schlange gestanden hatten, wies uns ein Mitarbeiter der Airline darauf hin, dass die Check-Ins nicht mehr am Schalter durchgeführt werden. Diese müssten an den Automaten in der Vorhalle selbst durchführen werden. Das war Premiere für uns, da wir dies noch nie gemacht hatten. Und Prompt beim ersten Versuch uns an den Automaten einzuchecken, verweigerten diese die automatische Datenübernahme aus unseren Reisepässen. Wir mussten daraufhin alle Daten von Hand eingeben. Nachdem wir die Hürde gemeistert hatten, gaben wir unser Gepäck auf und erlebten gleich die nächste Überraschung.

Starke Einreisekontrolle

Bees besitzt neben ihrem deutschen Reisepass auch einen brasilianischen und musste somit nicht fürchten, dass ihr die Ausreise aus Deutschland oder die Einreise nach Brasilien verwehrt werden könnte. Obwohl wir alle Dokumente (Visum, Heiratsurkunde und Krankenversicherungsnachweis) zur Ausreise aus Deutschland und zur Einreise nach Brasilien vorlegen konnten, wollte mich die Mitarbeiterin am Schalter nicht ausreisen lassen. Voraussetzung für die Einreise nach Brasilien ist, das jeder Einreisende mit nicht permanenter Aufenthaltsgenehmigung ein Rückflugticket vorweisen kann. Aus diesem Grund hatten wir für mich im Vorfeld auch einen Rückflug, der innerhalb des Gültigkeitszeitraums meines Visums lag gebucht. Die Mitarbeiterin wies uns jedoch daraufhin, dass die brasilianischen Behörden in Sao Paulo mich nicht einreisen lassen würden, wenn ich nicht ein gedrucktes Ticket vorweisen könnte. Da die Behörden in Sao Paulo keinen Zugriff auf die Systeme der Airlines haben, gleichen sie die Ticketinformationen auch nicht mit deren Systemen ab. Glücklicherweise erklärte sich die Airline bereit mir das E-Ticket noch in gedruckter Form auszuhändigen, sodass der Ausreise nun nichts mehr im Weg stand.

Auf zu den Gates

Nachdem wir unser Gepäck mit Hürden aufgegeben hatten, begaben wir uns zu den Gates. Die meisten Gates waren menschenleer, nur am Gate für unseren Flug drängten sich die Menschen. Nach ca. 45 Minuten begann das Boarding und wir nahmen unsere Plätze im Flugzeug ein. Das tragen von Masken war sowohl im Flughafen als auch im Flugzeug obligatorisch. Die Masken durften auf Grund der aktuellen Corona-Situation ausschließlich zum Einnehmen von Speisen und Getränken angenommen werden.

Der Start

Wenig später setzte sich das Flugzeug gut gefüllt in Bewegung. Nachdem es seine Position auf der Startbahn eingenommen hatte sahen wir ein letztes Mal aus dem Fenster auf den beleuchteten Frankfurter Flughafen. Dann setzte sich das Flugzeug erneut in Bewegung erhöhte immer weiter die Geschwindigkeit bis es sich in die Lüfte erhob und die Ränder die Fahrbahn verließen. Ein letzter blick aus dem Flugzeug auf die Stadt und wir verschwanden über den Wolken.

Auf ins Abenteuer

Der letzte Tag der letzte Lauf

Nun ist es soweit, der letzte Tag in unserer Wohnung ist gekommen, wir haben die Wohnung komplett ausgeräumt und an unserer Vermieterin übergeben. Zuletzt hatte uns noch eine Schraube im Reifen unseres Autos daran gehindert diesen Tag früher zu begehen. Wir haben uns noch etwas Zeit genommen um uns von unserer alten Heimat mit einem Spaziergang zu verabschieden. Bees ist der Abschied von ihren Schwestern wirklich schwer gefallen, aber nach dem schweren Abschied, freut sie sich nun um so mehr auf unsere neue Heimat und auf die Abenteuer der nächsten Zeit. Wir verbringen nun die letzte Tage bei meinen Eltern.

Die Coronasituation

Die Infektionszahlen sind in Brasilien zuletzt merklich gesunken. Durchschnittlich stecken sich aktuell jeden Tag ca. 30000 Menschen mit dem Virus an. Es scheint im Moment so, also ob die Brasilianer die Pandemie mehr und mehr unter Kontrolle bekommen.

Taegliche neue Coronainfektionen
Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus/
Aktive Coronainfektionen
Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus/

Das Ergebnis des Antikörpertests

Vor einiger Zeit hatten wir einen Antikörpertest in Auftrag gegeben um herauszufinden, ob wir eventuell schon mit dem Coronavirus infiziert waren. Das Ergebnis ist zum 04.09.2020 negativ ausgefallen. Das bedeutet das die eingesendete Blutprobe keine Antikörper gegen das Coronavirus aufwies. Das bedeutet, dass wir höchstwahrscheinlich bis zu diesem Tag noch nicht mit dem Coronavirus infiziert waren. Wir müssen uns in nächster Zeit also weiterhin mit den bekannten Präventionsmaßnahmen auseinandersetzen und diese entsprechend anwenden.

Der kaputte Reifen und die leere Wohnung

Leider habe ich mir vor zwei Tagen eine Schraube in den hinteren Reifen auf der Beifahrerseite gefahren. Da es sich bei der Reifengröße um ein weniger gängiges Modell handelt, beträgt die Lieferzeit des Reifens ca. vier Tage. Das bedeutet das wir unsere Abreise zu meinen Eltern entsprechend nach hinten schieben müssen.

Eine Schraube im hinteren rechten Reifen
Die Schraube im Reifen

Die Wohnung ist mittlerweile komplett leer geräumt. Wir unser Hab und Gut verschickt, verschenkt, verkauft oder vernichtet. Es ist ein gutes Gefühl die Wohnung soweit für die Übergabe vorbereitet zu haben. Wir haben im Vergangenen halben Jahr viel Zeit investiert um dieses Ziel zu erreichen.

Der letzte Lauf

ich bin leidenschaftlicher Läufer, ich gehe im Durchschnitt an fünf Tagen die Woche ca. 15 km laufen. Ich laufe nicht nur im Alltag, sondern auch im Urlaub und auf Reisen und auch zu allen Tageszeiten. In den letzten Jahren war ich oft in der Mittagspause in der Nähe meiner Arbeitsstelle laufen. Nun war ich das letzte Mal die Strecke laufen, die ich in den letzten 10 Jahren immer und wieder gelaufen bin und die ich wirklich sehr genossen habe und die ich in jedem Fall vermissen werde. Aber ich bin guter Dinge, dass ich in Curitiba eine ebenwürdige Strecke finden werde.

Der letzte Tag der letzte Lauf

Abschied mit Action

Der Gleitschirmflug

wir hatten ganz vergessen, das Bees vor einiger Zeit einen Gutschein für ein Action-Abenteuer geschenkt bekommen hatte. Beim Ausräumen unserer Wohnung fanden wir diesen nun wieder. Wir waren uns schnell einig, dass es zu schade wäre, diesen verfallen zu lassen und entschlossen uns kurzer Hand noch ein letztes Action-Abenteuer hier in Deutschland zu starten bevor wir nach Brasilien ausreisen. Seit dem wir vor einigen Jahren Ballon gefahren waren, hatte Bees öfters den Wunsch geäußert auch irgendwann einmal Gleitschirm fliegen zu wollen. Sie frage mich, ob ich auch Lust hätte und ich Antwortete: “Klar warum nicht, das ist sicherlich erlebenswert!”. Wir buchten also zwei Tandemflüge im Schwarzwald.

Der Flugort

Zusammen mit Ulf fuhren wir hoch auf den Kandel zum Startplatz. Es gibt zwei Startplätze für Gleitschirmflieger. Den Weststartplatz und den Südstartplatz. Abhängig von der Windrichtung starten die Flieger entweder vom einen oder anderen. Wir hatten Südwestwind und starteten vom Südstartplatz. Bees startete als erste. Sie bekam eine kurze Einführung wie Start und Landung funktionieren und schon konnte es los gehen. Bees bekam den Begleitsitz auf den Rücken geschnallt, dieser wurde am Schirm befestigt, es folgte eine Kontrolle, dass alle Gurte und Schnallen sicher und fest sitzen und schon war alles für den Start bereit. Ulf gab das Kommando und beide fingen an zu rennen, der Schirm entfaltete sich und plusterte sich auf und keine 20 Sekunden später waren die beiden in der Luft und flogen davon. Ich lief zurück zum Auto und fuhr wieder den Berg hinunter zum Landeplatz.

Als ich dort nach etwa 30 Minuten eintraf, waren die beiden gerade gelandet und hatten den Schirm schon wieder zusammengefaltet. Wir fuhren gemeinsam wieder zum Startplatz den jetzt war ich an der Reihe. Das Prozedere war das Selbe wie bei Bees. Ulf gab das Kommando wir fingen an zu rennen und nach ein paar Sekunden hoben wir ab in die Lüfte ab. Die Wolken rissen auf und die Sonne kam zum Vorschein. Es ebnete sich ein wundervoller Blick über die Erhebungen und Täler des Schwarzwalds. Du Flughöhe war angenehm, man konnte die Baumkronen und selbst die Bussarde von oben beobachten. Nach ca. 35 Minuten landete auch ich wieder sicher mit Ulf am Landeplatz. Jeder der die Freiheit und die Schönheit der Natur genießt, sollt sich überlegen, ob Gleitschirmfliegen eine Option für ein Naturerlebnis sein kann. Man kann die Flüge direkt bei Ulf buchen.

Abschied mit Action

Ein letztes Mal am Bodensee

In den letzten Jahren waren wir sehr oft am Bodensee, genau genommen im kleinen Örtchen “Hagnau am Bodensee”. Der Ort unterhält zwei Campingplätze, “Camping Schloß Kirchberg” und “Camping Alpenblick”. Wir haben überwiegend auf dem Campingplatz Schloß Kirchberg übernachtet, da dieser direkt am See liegt und ein eigenes Strandbad besitzt. Zum relaxen über das Wochenende war dieser Platz für uns perfekt. Diesmal sind wir jedoch nur für einen Tagesausflug nach Hagnau gefahren und haben den Tag dort am See verbracht und uns sozusagen von ihm verabschiedet. Das Dachzelt ist ja bereits in der Garage eingelagert und in den Sommerferien sind Unterkünfte spontan quasi nicht zu bekommen. Morgens war es zwar noch etwas kalt aber über den Tag kletterten die Temperaturen nochmal bis auf 28°C. Wir waren gegen 8 Uhr morgens am Parkplatz des Strandbads Hagnau. Die Parkgebühren für einen Tag betragen zum heutigen Zeitpunkt 9€. Zu unserer Lieblingsbadestelle sind es vom Parkplatz noch ca. 1,5 km zu laufen.

Die Badestelle liegt in etwa 1,5 km vom Örtchen Immenstaad entfernt in Richtung Hagnau. Wir hatten uns Proviant für morgens und mittags mitgebracht. Als wir ankamen waren es 15,5°C Lufttemperatur. Wir warfen die Badesachen über und tasteten uns langsam in den kalten See. Danach frühstückten wir und verbrachten den Tag mit ein paar wenigen weiteren Badegästen chillig am See. Gegen Nachmittag brachen wir auf und genossen noch ein letztes Mal ein Eis von unserer Lieblingseisdiele in Hagnau. Zum Schluss besuchten wir noch ein letztes Mal den Lerchenberg. Auf dem Berg Thront ein Monument aus dem zweiten Weltkrieg, das heute als Kriegsgräbergedenkstätte, Mahnmal aber auch als Aussichtsplattform und Erholungsort dient. In der Vergangenheit haben wir hier oft mit einem Bierchen die Sonnenuntergänge am Bodensee genossen. Diesen Ort kann ich wirklich jedem empfehlen, der gerne Sonnenuntergänge mit Aussicht genießt.

Auf in die letzte Phase

Bis zum Abflugtermin sind es nun nur noch ca. 4,5 Wochen und wir starten in die letzte Phase der Vorbereitung für unsere Brasilienaufenthalt .

Die Coronasituation

Die Infektionszahlen in Brasilien sind in den letzten Wochen in etwa konstant bei 40000 Infektionen pro Tag geblieben. Aktuell sind die Schulen geschlossen, sie sollen aber bald wieder geöffnet werden. Die Einreise nach Brasilien ist inzwischen auch wieder für Touristen bis zu 90 Tage möglich.

Corona-Infektionszahlen in Brasilien bis zum 04.09.2020
Corona-Infektionszahlen in Brasilien bis zum 04.09.2020

Der Antikörpertest

Wir haben uns überlegt, zur Vorbeitung noch eine Corona-Antikörpertest durchzuführen, dann wissen wir ob wir die Infektion eventuell schon überstanden haben. Der Start in Brasilien wäre dann etwas leichter. Die Leipziger Firma Adversis Pharma GmbH bietet einen solchen Test „Made in Germany“ an. Er soll angeblich eine Sensitivität von 100% 14 Tage nach Krankheitsbeginn haben. Wir sind gespannt und melden uns sobald uns das Ergebnis bekannt ist.

Der letzte Arbeitstag

In den vergangenen Wochen habe ich geordnet meine Aufgaben meines Jobs an meine Kollegen übergeben. Die Übergabephase endete am Dienstag mit meinem letzten Arbeitstag. Ich habe die letzten Jahre gerne in meinem Job als Softwareingenieure gearbeitet. Ich habe es genossen, dass ich in einem super Team mit vorbildlichen Vorgesetzten arbeiten durfte. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Kollegen nochmal von ganzem Herzen für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre bedanken. Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg bei allen neuen Herausforderungen der nächsten Zeit. ich hatte bereits vor zwei Wochen einen kleinen Ausstand mit Kuchen gegeben. Leider war es auf Grund des aktuellen Infektionsgeschehens nicht möglich dies in größerem Maßstab durchzuführen.

Den Sperrmüll vorbereiten

Bees hatte bereits Mitte August ihren letzten Arbeitstag und ist seit dem emsig dabei die Räumung der Wohnung vorzubereiten. Wir hatten im Vorfeld schon einige Gegenstände unserer Einrichtung verkauft und die nicht mehr nutzbaren auf dem nächstgelegenen Wertstoffhof entsorgt. Diese Woche war nun der restliche Sperrmüll an der Reihe. Die Abholung wurde von Bees selbstverständlich gut vorbereitet, sodass wir am Abend vorher alles nur noch draußen vor unsere Einfahrt packen mussten. Die Abfallwirtschaft hat tatsächlich auch alle Dinge am nächsten Tag mitgenommen. Ich war darüber hinaus sehr überrascht wie groß die Nachfrage nach Sperrmüll ist. Im Minutentakt haben die Transporter vor unserer Wohnung angehalten und das Sperrgut nach brauchbaren Gegenständen durchsucht. Überraschenderweise entstand trotz des hohen Andrangs kein Durcheinander, die nicht benötigten Gegenstände wurden immer wieder ordentlich aufgestapelt.

Unsere Wohnung ist nun bis auf einige noch dringend benötigten Dinge zum Kochen und Schlafen ausgeräumt. Auch die Dinge, die Bees Schwester in ihre Wohnung mitnehmen wird, stehen noch in unserem ehemaligen Wohnzimmer. In der kommenden Woche, werden auch diese Dinge an ihren neuen Bestimmungsort transportiert, sodass die Wohnung Ende nächster Woche ziemlich leer sein wird. Den letzten verbliebenen Lagerkühlschrank, in dem die letzten Bierreserven lagern, werden wir voraussichtlich in den nächsten zwei Wochen verkaufen. Unser Ziel ist es, dass das Haus bis zum 16.09.2020 komplett ausgeräumt ist. Ab dem 21.09.2020 werden wir die hiesigen Gefilden verlassen und die letzten Tage bei meiner Familie verbringen.

Das Hochzeitsbier

Die geplatzte Feier

Ursprünglich hatten wir geplant am 25.07.2020 unsere Hochzeit zu feiern. Dazu ist es nun leider nicht gekommen. Zum einen war es bis vor kurzem für Bees Mutter, auf Grund der Coronakrise, nicht möglich nach Deutschland einzureisen. Da wir nicht genau wussten, ob und wann die Einreise für Bürger aus Drittstaaten wieder möglich sein wird, musst wir die Feier leider absagen. Bees wollte die Hochzeitsfeier nur unter der Bedingung durchführen, dass ihre Eltern auch daran teilnehmen können. Es war für Bees schon schwierig, sich ohne die Anwesenheit ihrer Eltern, standesamtlich zu trauen. Der Plan ist nun die Feier in Brasilien nachzuholen. Meine Eltern haben schon zugesagt, dafür auf jeden Fall nach Brasilien zu reisen.

Das Hochzeitsbier

Da wir ursprünglich davon ausgegangen waren, dass die Feier stattfindet, haben wir natürlich extra ein Bier dafür eingebraut. Es sollte ein außergewöhnliches Bier, mit moderatem Alkoholgehalt und passend für den Sommer sein. Ursprünglich hatten wir an ein feinherbes und reichlich mit Tettnanger-Perle gestopftes, blumiges Pilsener gedacht. Bees konnte sich allerdings mit dem Gedanken an ein Pilsener nicht so richtig anfreunden. Ihr Argument war, dass wir schon oft kräftig gestopfte, blumige, böhmische, als auch nordeutsche Pilsener gebraut haben und das ein solches Bier kein handfestes Alleinstellungsmerkmal aufweisen wird. Ich lies mich überzeugen und uns kam die Idee für unsere Hochzeitsfeier ein Fichtenspitzen-IPA zu brauen. Das klang für uns auf Anhieb überzeugend, bereits der Namen trägt das Alleinstellungsmerkmal in sich. Darüber hinaus waren wir davon überzeugt, dass sich der Geschmack von Fichtenspitzen super mit den fruchtigen Noten eines IPA kombinieren lässt. Das Grundbier sollte ein mit Cascade gehopftes, fruchtiges Singlehop-IPA mit moderatem Alkoholgehalt sein. Das Ziel war das Bier mit einem Alkohlgehalt zwischen minimal 5,8%Vol. und maximal 6,2%Vol. einzubrauen. Dieses sollte nach der Hauptgärung sowohl mit Cascade als auch mit frischen Fichtenspitzen gestopft werden und weitere drei Wochen im Gärtank verbleiben, bevor es zur Nachgärung in Flaschen geschlaucht wird. Da das Bier nach der Hauptgärung noch ca. 8 Wochen bei 2°C kalt lagern sollte, brauten wir es bereits Ende April. Anfang Mai fuhren wir in einen nahegelegenen Wald und pflückten die frischen Triebe von verschiedenen Fichten. An der Stelle ist es wichtig zu betonen, dass man darauf achtet, dass es sich auch wirklich um Fichtenspitzen und nicht um Triebe von Eiben handelt. Bei Unachtsamkeit besteht ein gewisses Risiko diese zu verwechseln. Nahezu alles an einer Eibe ist giftig und die Verwertung der Triebe ist lebensgefährlich. Auf 45 Liter Bier braucht man für ein angenehmes, gut wahrnehmbares Fichtenaroma ca. 200g – 300g Fichtenspitzen. Diese werden gründlich mit klarem Wasser gewaschen und anschließend in 70%igem Alkohol für 5 Minuten vollständig bedeckt eingelegt. Danach werden sie klein geschnitten und entweder in Hopfensäcken gefüllt oder direkt in den Gärtank gegeben. Im Anschluss sollte das Jungbier weitere drei Wochen gelagert werden, bevor es zur Nachgärung ab- oder umgefüllt wird. Bee hat sich ein stärker karbonisiertes Bier gewünscht, dass so richtig schön “floppt” wenn man es öffnet und bei dem sich die Kohlensäure länger im Bier hält. Als Hefe haben wir uns für die “New England – American East Coast Ale” von Lallemand entschieden. Die Hauptgärung verlieft hervorragend. In der Nachgärung hat sie sich jedoch etwas weniger dynamisch gezeigt.

Das Tasting

Nachdem nun fest steht, dass es in Deutschland keine Feier mehr geben wird, müssen wir anfangen unser gesamtes Hochzeitsbier mit Freunden zu trinken. Zum Glücken finden sich im Bekanntenkreis viele Leute die unser Bier gerne trinken😅.

Das Bier ist bersteinfarben, ausgewogen mit einer milden Hopfenbitteren, ca. 6,0%Vol. Alkohol und es riecht fruchtig mit einer tatsächlich intensiven Fichtennote, die die Fruchtnote des Hopfens etwas in den Hintergrund treten, aber nicht untergehen lässt. Die etwas höhere Karbonisierung prickelt etwas mehr auf der Zunge, lässt den Schaum länger stehen und lässt das Bier auch nach etwas längerer Zeit im Glas noch frisch schmecken. Nur all zu sehr schütteln sollte man die Flasche vor dem Öffnen nicht. Alles in Allem, sind wir sehr zufrieden mit unserem Hochzeitsbier. Wir finden es wirklich sehr schade, dass wir es nicht zu unserer Hochzeit ausschenken konnten. In Brasilien gibt es leider keine Fichten, damit wird es für uns wohl so schnell kein anderes Fichtenspitzen-IPA geben. Aber wir werden uns mit Sicherheit etwas außergewöhnliches für Brasilien einfallen lassen. 😃

Das Hochzeitsbier

Zusammenpacken Versenden und Ausräumen

Der aktuelle Status

Der Termin für unsere Ausreise am 04.10.2020 steht weiterhin fest. Die Entwicklung der Corona-Pandemie in Brasilien stabilisiert sich allmälig. Der 7-Tage-Mittelwert zeigt einen leichten Rückgang (aktuell -11%) der täglichen Covid-19 Neuinfektionen in Brasilien. In vielen südlichen Bundesstaaten gelten mittlerweile ähnliche Abstands- und Hygeneregeln wie bei uns in Deutschland. Es scheint im Moment so, dass diese Vorgaben langsam auch in Brasilien Wirkung zeigen.

Verkaufen und Entrümpeln

Unsere freie Zeit verbringen wir aktuell weiterhin hauptsächlich mit dem Zusammenpacken, Versenden, Verkaufen und Entsorgen von Hausrat und Equipment. Etwas Mobiliar konnten wir bereits durch etwas Glück über eBay-Kleinanzeigen verkaufen. Insgesamt gestaltet sich der Verkauf jedoch eher schwierig. Wir haben uns angewöhnt alle Anzeigen ca. eine Woche online zu lassen und dann erneut einzustellen. Damit verliert man zwar die aktuellen Follower, aber die Anzeige rückt als “neue Anzeige” wieder ganz nach oben. Wir haben das Gefühl, dass dieses Vorgehen die Chancen erhöht, dass sich Interessenten melden. Darüber hinaus fahren wir alte Möbel und andere unverkäufliche Dinge nach und nach auf den Wertstoffhof. Dazu müssen wir den Golf immer wieder zu einem “Transporter umbauen”. Was uns aktuell schwer fällt ist, uns von unserem geliebten Hochbett zu trennen. Ursprünglich wollten wir es verkaufen und uns nach unserer Rückkehr nach Deutschland ein neues kaufen. Der Hersteller Möbelum hat es jedoch aus dem Programm genommen. Damit geht unser Plan nun leider nicht mehr auf. Im Moment versuchen wir es innerhalb der Familie unterzubringen, da es auf Grund der Abmaße, nicht in die Grage passt und als Holzgegenstand auch trocken und luftig gelagert werden muss. Wir hoffen sehr, dass sich noch eine Möglichkeit ergibt und wir es nicht verkaufen oder im schlimmsten Fall entsorgen müssen. Zum Glück kann man das Bett komplett zerlegen. Allerdings graut es uns schon vor dem Transport. Da das Anmieten eines Transporter aktuell extrem kostenintensiv ist (Transporter inkl. 1000km ca. 550€ bei Sixt), muss der Golf wohl auch dafür herhalten. Um das Bett zu unserer Familie zu transportieren, werden wir allerdings wohl zwei mal fahren müssen.

Der Paketversand

Der Versand von Paketen geht weiterhin nur schleppend voran. Wir haben mittlerweile vier Pakete aufgegeben, dass erste am 19.06.2020. Aktuell ist noch kein Paket in Curitiba angekommen. Das erste Paket hat den Zoll jedoch schon passiert und wird jetzt innerhalb Brasiliens transportiert. Die Zollkosten betrugen 977 BRL . Umgerechnet sind das ca. 160€. Somit hat uns der Versand von 20 Kg Equipment 345€ (185€ Versand und 160€ Zoll) gekostet. Die Kosten für Versand und Zoll haben sich im Zuge der Coron-Krise im Prinzip verdoppelt. DHL erlaubt nach Brasilien nur den Premiumversand. Es kommt immer wieder vor, dass nicht allein der Inhalt von Paketen, sondern auch die Kosten für den Versand in Brasilien verzollt werden müssen. Wir können uns also glücklich schätzen, dass DHL nur die vor der Krise üblichen 100€ als Versandkosten auf dem CN23-Dokument angibt und nicht die aktuell anfallenden 185€. Die Zollkosten würden sonst noch um einiges höher ausfallen.

Space Saver

Immer wenn man Dinge lagert oder transportiert, bestimmen zwei Eigenschaften, Volumen und Gewicht, die Kosten für Transport und Lagerung. Welche Eigenschaft im Einzelfall mehr ins Gewicht fällt, hängt natürlich vom Anwendungsfall ab. Bei der Einlagerung von Gegenständen in Räumen ist das Volumen meist entscheidender als das Gewicht. Während beim Versand von Gegenständen sich beide Eigenschaft meist gleich stark auf den Preis auswirken. Im Durchschnitt wird dem Volumen aber ein höherer Anteil am Preis zugeschrieben. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile sogenannte Space Saver (Affiliate-Link) zu kaufen. Diese funktionieren erstaunlich einfach über Vakuumirrung und können das Volumen bei komprimierbaren Gegenständen wie z.B. Textilien bis zu 50% reduzieren. Ein weiter Vorteil ist, dass durch das Vakuumirren die Luft aus der Verpackung entfernt und somit Alterungsprozesse verlangsamt und Schädlingsbefall verhindert wird. Wir haben das mal anhand unserer sehr Voluminösen warmen Schlafsäcke demonstriert. Wir sind echt begeistert und vakuumierren mittlerweile alle Dinge deren Volumen sich durch Vakuumierren reduzieren lassen.

Video mit Werbeanteil Anwendung Space Saver

Das Einlagern

Campingequipment

Da wir eventuell in einigen Frühsommern der kommenden Jahre vor haben, Urlaub in Europa zu machen, müssen einige dafür grundlegende Dinge entsprechend eingelagert werden. Wir wollen im Sommer vor allem die Polartage in Nordeuropa genießen. Wir sind leidenschaftliche Camper und sind in den vergangen Jahren viel durch Europa gereist. Dabei sind wir durch allerhand Länder vom südlichen Sizilien bis nach Andennes im Norden der Lofoten in Norwegen gereist. Dabei ist das Auto dem Camper sein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Wir sind in den vergangenen Jahren nur zwei Mal ausschließlich nach Brasilien geflogen. In Europa haben wir alle Strecken mit dem Auto zurückgelegt. Zu unserem Basisequipment gehört ein Golf VI R, ein Dachzelt, Schlafsäcke sowie Koch- und Reinigungsequipment. Proviant und Kleidung wird abhängig von der Reiseregion entsprechend angepasst. All diese Dinge müssen so eingelagert werden, dass wir sie im Bedarfsfall schnell Einsatzfähig bekommen.

Das Brauequipment

Ursprünglich hatten wir geplant unser Braueqipment, dazugehörend den Braumeister, den Gärtank und weiteres zum Bierbrauen benötigtes Equipment mit DHL nach Brasilien zu schicken. Durch die Corona-Pandemie war eine Zeitlang der Paketversand nach Brasilien nicht möglich und nun nach der teilweisen Wiederaufnahme des Paketversands durch DHL sind die Kosten für den Versand von 20Kg Paketen um 85% gestiegen. Die Hohen Versandkosten, die nicht kalkulierbaren Einfuhrzölle und das gestiegene Risiko des Paketverlusts, haben uns dazu bewogen den Versand des schweren Brauequipments nicht weiter zu verfolgen und dies stattdessen für die nächsten Jahre mit einzulagern. Die grundlegende Ausrüstung der Einkochbrauerei werden wir allerdings noch versenden. Der Grund ist, dass Einkochtöpfe in Brasilien schwerer zu bekommen und teuer sind, sich das Versandgewicht mit ca. 25Kg im Rahmen hält, der Paketverlust verkraftbar ist und wir leider keinen freien Platz für die Einlagerung mehr zur Verfügung haben. Der Verkauf kommt auch nicht in Frage, da wir stark unter Wert verkaufen müssten. Bis wir die entsprechende Ausstattung zum Brauen in Brasilien ausfindig gemacht haben, können wir so temporär die ersten Brauversuche mit der Einkochbrauerei machen.

Die Garage

Wir haben uns nun eine Garage mit einem Stromanschluss und Licht angemietet. Dort wird das Auto als auch das Camping- und Braueqipment eingelagert. Das Auto wird trocken auf Reifenschuhen in die Garage gestellt. Die Batterie wird ausgebaut und an ein Ladungserhaltungsgerät angeschlossen. Das Dachzelt wird über einen Deckenlift an der Garagendecke befestigt und die Winterreifen, die Brau- und Campingausrüstung und noch ein paar wenige zusätzliche Dinge werden an den Seiten der Garage verstaut. Beim ersten Versuch den Decklift an die Garagendecke zu montieren, haben wir leider zu dünne und kurze Schrauben benutzt, so dass diese, beim ersten Versuch das Zelt vom Autodach zu heben, teilweise aus der Decke gerissen wurden. Beim zweiten Versuch haben wir acht 10er Deckenanker benutzt. So das die Konstruktion nun hält. Mit Hilfe des Lifts lässt sich das Zelt nun sehr komfortabel auf dem Autodach montieren.

Verpackung und Transport

Damit kommen wir zum lustigsten Teil dieser Geschichte. Nachdem die Garage soweit vorbereiten war, wir mussten noch ein paar alte Dinge entsorgen und den Deckenlift montieren, haben wir unser Brauequipment (Braumeister, Gärtank, Kühlaggregat und Zubehör) in Kisten verpackt und zum Bestimmungsort transportiert. Die Garage liegt leider ca. 300km von unserem jetzigen Wohnort entfernt, so dass die Fahrt dorthin effizient ausgenutzt werden muss. Der Grund für die große Distanz, ist zum einen der Preis, denn wir wohnen aktuell in einem großen Ballungsraum, in dem Wohnraum und Garagen sehr teuer sind. Eine Garage an unserem Wohnort kostet im Monat ca. 100€-150€. Zum Zweiten leben meine Eltern in der Nähe der Garage und können diese in Abständen kontrollieren. Für den Braumeister, hatten wir in weiser Voraussicht die Kartons, in denen er angeliefert wurde bis heute aufbewahrt, so dass uns dafür ein optimal angepasster Karton zur Verfügung stand. Der Gärtank wurde damals nach dem Kauf in der Gesamtverpackung auf einer Palette, nicht einzeln verpackt, angeliefert, so dass uns keine angepasste Verpackung zur Verfügung stand. Wir haben ihn zusammen mit weiterem Zubehör in einem 60cmx60cmx120cm großen Karton verpackt. Wir haben es im Anschluss tatsächlich geschafft, die gesamte Ausrüstung in unserem Golf 6 R zu packen und mit einer Fahrt zur Garage zu transportieren. Man mag es dem Auto nicht ansehen, aber wir wissen aus den vergangenen campingreichen Jahren, dass in dieses Auto eine ganze Menge Zeug verstaut werden kann. Aber dieses mal waren selbst wir überrascht. 😲😁 Die Fahrt war jedoch alles andere als gemütlich. Auch konnte ich 🐝 nicht mitnehmen, da ihr Platz leider voll belegt war. Ihre Hilfe hat mir beim entladen doch merklich gefehlt.

Das Auto

Im Augenblick konzentrieren wir uns zunehmend auf unsere Ausreise nach Brasilien. Aktuell steht unser Termin am 04.10.2020 noch fest auf unserer Agenda. Unser Flug wird von LATAM durchgeführt. Der Flug wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht storniert oder verschoben. Ich werde kommende Woche versuchen mir den Abflugtermin auch nocheinmal bestätigen lassen. Wir erfüllen, trotz Corona, zum jetzigen Zeitpunkt noch alle Ein- und Ausreisebestimmungen und gehen aktuell auch nicht davon aus, dass wir den Termin verschieben müssen.

Die Fahrzeugeigenschaften

Aus diesem Grund haben wir bei unseren Eltern/Schwiegereltern in Curitiba nachgefragt, ob sie nach einem Auto für unsere Bedürfnisse suchen würden. Da das Mieten von Autos in Brasilien relativ teuer ist, möchten wir bereits eines unser Eigen nennen, wenn wir in Curitiba ankommen. Ein Auto für zwei Wochen zu mieten, kostet in etwa so viel wie die Steuern und Versicherung eines Kleinwagens für ein Jahr. Unser Auto soll in erster Linie robust und zuverlässig sein und einen Full-Flex-Fuel Motor besitzen. Mit einem solchen Motor kann Alkohol (Ethanol/Methanol) und Benzin in beliebigen Mischungsverhältnissen genutzt werden. Im Gegensatz zu Europa werden in Brasilien keine PKW mit Dieselmotoren zugelassen. Diesel ist Nutzfahrzeugen, wie z.B. Lastkraftwagen (LKW) vorbehalten. In Brasilien stehen für Personenkraftwagen (PKW) zwei verschiedene Kraftstoffe zur Verfügung, Ethanol und Benzin. Etwa 90% aller Neufahrzeuge in Brasilien sind Full-Flex-Fuel Fahrzeuge. Lediglich aus dem Ausland importierte Modelle sind nur auf die Verfügbarkeit von Benzin angewiesen. Auf Alkohol angepasste und mit diesem betriebene Motoren, bieten auf Grund der höheren Klopffestigkeit des Ethanols mehr Leitung als vergleichbare Benzinmotoren. Durch den geringeren Heizwert von Alkohol liegt der Verbrauch bei der Nutzung von Ethanol in der Praxis zwischen 20 % und 30% über dem von Benzin. In Brasilien werden diese Fahrzeuge bei der Verwendung von Ethanol als CO2-Neutral betrachtet. Das das in der Praxis natürlich auf Grund vieler Faktoren bei weitem nicht der Fall ist, lasse ich an dieser Stelle mal außen vor.

Die Ursprungsidee

Ursprünglich hatten wir an einen VW Gol (ohne „f“) gedacht. Fahrzeuge diesen Typs hatten wir in der Vergangenheit bei unseren Brasilienreisen immer wieder ausgeliehen und waren damit auch durchweg zufrieden. Die Maße eines VW-Gol liegen in etwa zwischen denen eines VW-Up und denen eines VW-Polo. Häufig wird der Gol mit 1.6 Liter Hubraum angeboten. In dieser Ausführung bietet er ausreichend Leistung für den Alltag. Auch das Ladevolumen des Kofferraums ist für zwei Personen ausreichend. Der VW-Gol besitzt kein ASR und kein ESP. Auf den, sehr häufig in Brasilien vorkommenden, Staubstraßen hat das Vorteile. Gerade bei Regen und matschigen Untergrund ist das Hinauffahren auf Anhöhen so besser möglich. Fahrzeuge, bei denen sich die Regelungen nicht abschalten lassen, haben in solchen Situationen häufig das Nachsehen. Das können wir aus unseren Vergangen Reisen auch bestätigen.

Das neue Auto

Der Vorschlag unserer Eltern/Schwiegereltern ließ nicht lange auf sich warten. Nach kurzer Zeit war bereits ein Auto, das den Kriterien entspricht gefunden. Es handelt sich jedoch nicht, wie ursprünglich gedacht um einen VW-Gol, sondern um einen VW-Polo. Der Hauptunterschied, zum VW-Gol ist in erster Linie die Größe. Der Polo ist größer und bietet somit mehr Platz für Insassen und Ladung. Er besitzt einen 1.6 Liter Flexfuel Motor mit 120 PS. Die Innenausstattung ist, im Hinblick auf den Kaufpreis, auf das nötigste begrenzt. Das Auto ist ein Neufahrzeug mit 0 km Laufleistung und einem Gesamtpreis von 55.990 BRL. Wir haben für 1 Euro 5,60 BRL getauscht. Somit haben wir für das Auto 9.998 Euro bezahlt. Im Vergleich dazu, kostet ein vergleichbarer Polo in Deutschland, etwa 15.000 bis 18.000 Euro. In Deutschland gibt es den Polo, als Neuwagen, auch nur mit einem 1.0 Liter Motor und 80 PS. Ich persönlich finde diese Variante untermotorisiert, da mit 80 PS das Überholen von LKW und längeren Tracktorgespannen merklich erschwert wird.

Warum ein Neuwagen

Prinzipiell bin ich kein Freund von Neuwagenkäufen. In Deutschland macht es meist weniger Sinn einen Neuwagen zu kaufen. Es gibt in der Regel gut bis sehr gute Jahreswagen mit wenig gefahrenen Kilometern, Garantie und mit Preisnachlässen zum Neuwagen von bis zu 30%. In Brasilien stellt sich die Situation etwas anders da. Die Preisnachlässe gegenüber einem Neuwagen sind wesentlich geringer und der Verschleiß des Fahrzeugs, auf Grund des brasilianischen Fahrstiels und der Straßenbedingungen, um einiges höher. Das Vertrauen in das Fahrzeug wächst mit der Verlässlichkeit und die ist bei einem Neuwagen in Brasilien um einiges höher als bei einem Semi-Novo. Dieser Aspekt und der unschlagbare Preis des Autos, haben uns letztendlich dazu bewogen ein Neufahrzeug, anstatt einem Gebrauchten anzuschaffen.


Im nächsten Post werden wir ein Update zu unserem Umzugsvorbereitungen geben.

Am Ball bleiben

Die aktuelle Lage

In den letzten Wochen hat sich die Corona-Situation in Deutschland merklich verbessert. Auf Grund der stark gesunken Infektionszahlen, wurden viele Einschränkungen des Alltags entschärft oder wieder aufgehoben. Die meisten Geschäfte und Läden wieder geöffnet und das gesellschaftliche Leben beginnt langsam wieder zu erwachen. Größere Menschenansammlungen bleiben allerdings weiterhin untersagt. Aktuell dürfen sich nur Angehörige zweier Hausstände miteinander treffen. Das tragen eines Nasen-Mund-Schutzes beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und beim Einkaufen ist obligatorisch.

Wirft man allerdings einen Blick nach Brasilien, dann erscheint die Lage dort aktuell außer Kontrolle geraten zu sein. Brasilien verzeichnet im Moment weltweit, nach den USA, mit stark steigender Tendenz, die zweitmeisten Infektionen. Durch die Pandemie steigt zusehends der wirtschaftliche Druck auf das Land, seine Bewohner und die Währung (BRL). Der brasilianische Real hat in den letzten drei Monaten rapide an Wert verloren.

Das Versenden von Briefen und kleinen Warensendungen nach Brasilien ist inzwischen wieder möglich. Ab wann auch der Paketversand wieder möglich sein wird ist noch ungewiss.

Es ist im Moment schwer abzuschätzen, wie sich die Lage bis zu unserem Abflug Anfang Oktober entwickel wird. Aber wir gehen aktuell immer noch davon aus, dass wir unsere Reisepläne umsetzen können.

Wie kommen wir zu diesem Schluss?

Die Grundlage für die Annahme, dass wir trotz der suboptimalen Bedingungen dennoch unsere Reisepläne umsetzen können, liegt in der Beantwortung der folgenden drei essentiellen Fragen:

  • Wie wird sich die Versorgungslage, aber vor allem die politische Situation in Brasilien entwickeln?
  • Wie wird sich die Pandemie in Deutschland bis Anfang Oktober entwickeln?
  • Welche wirtschaftliche Auswirkung hätte ein Aufschub der Reise?
Die politische Entwicklung

Wir stehen aktuell im engen Kontakt mit unseren brasilianischen Familienangehörigen in Curitiba. Wir erhalte somit aus erster Hand eine kritische Beurteilung der Situation vor Ort. Demnach ist aktuell nicht davon auszugehen, dass es im Süden Brasiliens in nächster Zeit zu einer ernstzunehmenden Destabilisierung der Gesellschaftsordnung kommen wird. Es besteht zwar eine nicht zu unterschätzende Gefahr, dass das brasilianische Militär seinen Einfluss bei der Führung des Landes ausbauen könnte, aber Anzeichen für einen gewaltsamen Putsch mit anschließender Militärdiktatur sind aktuell eher unwahrscheinlich. Die Lage bleibt dennoch angespannt und muss weiter beobachtet und immer wieder neu bewertet werden.

Versorgung & Gesundheit

Insgesamt ist die Versorgungslage in Brasilien im Moment stabil. Wie in jedem Land gibt es hier und da Probleme mit der Versorgung einzelner Artikel aber im Großen und Ganzen ist die Grundversorgung gesichert. Ein Grund dafür dürfte sein, das Brasilien eine stark ausgeprägte Landwirtschaft besitzt und die Grundversorgung aus eigener Kraft decken kann. Die Lage im Gesundheitssystem ist regional durchaus kritisch einzuschätzen. Die voranschreitende Pandemie hat regional in einigen schwer betroffenen Regionen die Gesundheitsversorgung zum kollabieren gebracht. Jedoch ist das aktuell kein landesweiter Zustand. Auch wenn wir nicht zur Risikogruppe einer Corona-Infektion gehören, wäre die Situation für uns dann problematisch, wenn z.B. wegen einer anderen Erkrankung oder Verletzung medizinische Hilfe benötigt werden würde und diese Aufgrund eines überlasteten Gesundheitssystems ausbleiben würde. In Curitiba läuft die Gesundheitsversorgung aktuell allerdings weitestgehend normal.

Die Entwicklung in Deutschland

Obwohl in Deutschland die Pandemie aktuell unter Kontrolle ist, ist damit zu rechnen, dass es im kommenden Herbst und über die kommenden Wintermonate zu einem erneuten Aufflammen der Pandemie mit weitreichenden Folgen und erneuten Beschränkungen, insbesondere im Reiseverkehr kommen könnte. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass unser Flug auf Grund von erneuten Einschränkungen gestrichen wird, aktuell als moderat ein. Das liegt überwiegend daran, dass der Flug Anfang Oktober eher nicht in eine solche Phase fallen sollte.

Die Weichen werden gestellt

Mit voranschreiten der Vorbereitungen und Annäherung an den Abflugtermin, werden zunehmends Weichen in unserem Leben gestellt, die sich nicht, oder nur mit immensen finanziellen und zeitlichen Aufwand wieder umkehren lassen. Mit anderen Worten gesagt, je näher der Abflugtermin rückt, desto resistenter werden wir gegen eventuell auftretende Schmerzen im Zusammenhang mit unserer Reise. 😤

Wie geht es weiter?

Im nächsten Post werde ich euch ein Update darüber geben, wie wir die Einkommenssituation weiterhin gestalten wollen. Wir müssen uns zum einen für den Fall wappnen, dass wir die Reise doch kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Und auch wenn wir unsere Ziele wie geplant umsetzen können, wird es vor Ort in Brasilien in nächster Zeit schwierig werden Einkommen zu generieren. Diesem Umstand müssen wir zunehmend in unserer Planung Aufmerksamkeit schenken.

Das aufwändige Visum

Das Visum für Beers ist einer der wichtigsten Schritte um uns für längere Zeit in Brasilien aufhalten zu dürfen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten sich ein Visum für Brasilien ausstellen zu lassen. Wird einem das Visum zum ersten Mal ausgestellt, dann sind alle Arten zeitlich limitiert. Zum Beispiel ist es möglich ein Arbeitsvisum zu erhalten, wenn eine brasilianische Firma, z.B. für die technische Assistenz, einen entsprechenden Antrag beim Arbeits/Justizministerium stellt und dieser von der Behörde genehmigt wird. Über diesen Weg werden häufig Auslandseinsätze für Mitarbeiter größerer Firmen legitimiert.

Da wir verheiratet sind, kam für uns in erster Linie das Visum XI für Ehegatten in Frage. Doch bevor dieses Visum beantragt werden konnte, mussten einige Voraussetzungen erfüllt werden.


Im ersten Schritt muss eine brasilianische Heiratsurkunde beantragt und vom brasilianischen Konsulat ausgestellt werden. Dazu benötigt man eine originale internationale Heiratsurkunde,die Geburtsurkunden beider Ehepartner, eine Güterstandserklärung und einiges mehr. Alle Dokumente sind im Original und als Kopie einzureichen. Wir waren sehr erstaunt, als wir beim Lesen der Voraussetzungen lasen, dass die Geburtsurkunde des brasilianischen Ehepartners nicht mehr als 180 Tage vor der Eheschließung ausgestellt worden sein darf. Das ist insofern verwunderlich, dass eine brasilianische Geburtsurkunde, nach der Ausstellung, nur sechs Monate gültig ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man die Geburtsurkunde ausstellen lassen muss und dann innerhalb von sechs Monaten heiraten und die brasilianische Eheurkunde beantragen muss. Andernfalls ist die geforderte Bedingung nicht einzuhalten. Alle Geburtsurkunden die Beispielsweise nach der Eheschließung ausgestellt wurde, werden laut der Verlautbarung des Konsulats vermutlich nicht akzeptiert. Wir hatten bereits für unsere Eheschließung in Deutschland eine brasilianische Geburtsurkunde mit Apostille für Bees in Brasilien ausstellen und nach Deutschland schicken lassen. Diese musste hier vor Ort von einem staatlich anerkannten Übersetzer ins Deutsche übersetzt und die Apostille beglaubigt werden. Das ganze war mit mehr als 500€ bereits ein teurer Spaß. Unser Ziel war es fortan, diese Geburtsurkunde für das Beantragen aller Dokumente, angefangen von unserer Hochzeit bis hin zu Beers Visum zu nutzen. Der eigentlich Beantragungsprozess der Heiratsurkunde ging sehr schnell. Nachdem wir den erforderlichen Online-Antrag ausgefüllt und alle Dokumente vorab eingereicht hatten, bekamen wir zeitnah einen Termin für ein persönliches Vorsprechen. Bei diesem Termin wurde die brasilianische Heiratsurkunde auch direkt ausgestellt, sodass wir sie mit nach Hause nehmen konnten.


Im zweiten Schritt musste Bees ihren brasilianischen Reisepass neu ausstellen lassen, da sich ihr Name mit der Hochzeit und nun mit der brasilianischen Geburtsurkunde geändert hatte. Leider ist dieser Prozess aufwendiger als in Deutschland. Es muss ein aufwendiges Online-Formular ausgefüllt und einige zusätzliche brasilianische Dokumente mit diesem zusammen eingereicht werden. Wir hatten diesen Antrag in der Vergangenheit bereits einmal ausgefüllt, sodass wir dieses Mal nur einen Samstag dafür benötigten.


Damit waren alle Voraussetzungen für Beers Visum erfüllt. Um das Visum beantragen zu können, sind neben unserer brasilianischen Heiratsurkunde und Bees ihrem neuen brasilianischen Reisepass noch weitere Dokumente erforderlich. Beers musste eine internationale Geburtsurkunde bei seinem Geburtsstandesamt beantragen und diese apostillieren lassen. Die Apostille wird abhängig vom Bundesland von unterschiedlichen Ämtern vorgenommen. Beers wurde in Thüringen geboren, dort übernimmt diese Aufgabe das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar. Parallel beantragte Beers noch ein polizeiliches Führungszeugnis mit Apostille. Das Führungszeugnis wird bei dem für den Wohnsitz zuständigem Bürgeramt beantragt. Die Apostille für das Führungszeugnis wird deutschlandweit einheitlich vom Bundesjustizministerium in Bonn ausgestellt.Das Visum konnte nach dem erneuten Ausfüllen eines Online-Antrags und dem postalischen Einreichen aller Unterlagen inklusive Beers Reisepass ohne erneutes Vorsprechen beim brasilianischen Konsulat beantragt und ausgestellt werden. Nach ca. einer Arbeitswoche bekam Beers seinen Reisepass vom Konsulat mit dem langersehnten Visum zurück. Just-In-Time bevor auf Grund der Corona-Krise die Konsulate schlossen.