Das aufwändige Visum

Das Visum für Beers ist einer der wichtigsten Schritte um uns für längere Zeit in Brasilien aufhalten zu dürfen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten sich ein Visum für Brasilien ausstellen zu lassen. Wird einem das Visum zum ersten Mal ausgestellt, dann sind alle Arten zeitlich limitiert. Zum Beispiel ist es möglich ein Arbeitsvisum zu erhalten, wenn eine brasilianische Firma, z.B. für die technische Assistenz, einen entsprechenden Antrag beim Arbeits/Justizministerium stellt und dieser von der Behörde genehmigt wird. Über diesen Weg werden häufig Auslandseinsätze für Mitarbeiter größerer Firmen legitimiert.

Da wir verheiratet sind, kam für uns in erster Linie das Visum XI für Ehegatten in Frage. Doch bevor dieses Visum beantragt werden konnte, mussten einige Voraussetzungen erfüllt werden.


Im ersten Schritt muss eine brasilianische Heiratsurkunde beantragt und vom brasilianischen Konsulat ausgestellt werden. Dazu benötigt man eine originale internationale Heiratsurkunde,die Geburtsurkunden beider Ehepartner, eine Güterstandserklärung und einiges mehr. Alle Dokumente sind im Original und als Kopie einzureichen. Wir waren sehr erstaunt, als wir beim Lesen der Voraussetzungen lasen, dass die Geburtsurkunde des brasilianischen Ehepartners nicht mehr als 180 Tage vor der Eheschließung ausgestellt worden sein darf. Das ist insofern verwunderlich, dass eine brasilianische Geburtsurkunde, nach der Ausstellung, nur sechs Monate gültig ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man die Geburtsurkunde ausstellen lassen muss und dann innerhalb von sechs Monaten heiraten und die brasilianische Eheurkunde beantragen muss. Andernfalls ist die geforderte Bedingung nicht einzuhalten. Alle Geburtsurkunden die Beispielsweise nach der Eheschließung ausgestellt wurde, werden laut der Verlautbarung des Konsulats vermutlich nicht akzeptiert. Wir hatten bereits für unsere Eheschließung in Deutschland eine brasilianische Geburtsurkunde mit Apostille für Bees in Brasilien ausstellen und nach Deutschland schicken lassen. Diese musste hier vor Ort von einem staatlich anerkannten Übersetzer ins Deutsche übersetzt und die Apostille beglaubigt werden. Das ganze war mit mehr als 500€ bereits ein teurer Spaß. Unser Ziel war es fortan, diese Geburtsurkunde für das Beantragen aller Dokumente, angefangen von unserer Hochzeit bis hin zu Beers Visum zu nutzen. Der eigentlich Beantragungsprozess der Heiratsurkunde ging sehr schnell. Nachdem wir den erforderlichen Online-Antrag ausgefüllt und alle Dokumente vorab eingereicht hatten, bekamen wir zeitnah einen Termin für ein persönliches Vorsprechen. Bei diesem Termin wurde die brasilianische Heiratsurkunde auch direkt ausgestellt, sodass wir sie mit nach Hause nehmen konnten.


Im zweiten Schritt musste Bees ihren brasilianischen Reisepass neu ausstellen lassen, da sich ihr Name mit der Hochzeit und nun mit der brasilianischen Geburtsurkunde geändert hatte. Leider ist dieser Prozess aufwendiger als in Deutschland. Es muss ein aufwendiges Online-Formular ausgefüllt und einige zusätzliche brasilianische Dokumente mit diesem zusammen eingereicht werden. Wir hatten diesen Antrag in der Vergangenheit bereits einmal ausgefüllt, sodass wir dieses Mal nur einen Samstag dafür benötigten.


Damit waren alle Voraussetzungen für Beers Visum erfüllt. Um das Visum beantragen zu können, sind neben unserer brasilianischen Heiratsurkunde und Bees ihrem neuen brasilianischen Reisepass noch weitere Dokumente erforderlich. Beers musste eine internationale Geburtsurkunde bei seinem Geburtsstandesamt beantragen und diese apostillieren lassen. Die Apostille wird abhängig vom Bundesland von unterschiedlichen Ämtern vorgenommen. Beers wurde in Thüringen geboren, dort übernimmt diese Aufgabe das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar. Parallel beantragte Beers noch ein polizeiliches Führungszeugnis mit Apostille. Das Führungszeugnis wird bei dem für den Wohnsitz zuständigem Bürgeramt beantragt. Die Apostille für das Führungszeugnis wird deutschlandweit einheitlich vom Bundesjustizministerium in Bonn ausgestellt.Das Visum konnte nach dem erneuten Ausfüllen eines Online-Antrags und dem postalischen Einreichen aller Unterlagen inklusive Beers Reisepass ohne erneutes Vorsprechen beim brasilianischen Konsulat beantragt und ausgestellt werden. Nach ca. einer Arbeitswoche bekam Beers seinen Reisepass vom Konsulat mit dem langersehnten Visum zurück. Just-In-Time bevor auf Grund der Corona-Krise die Konsulate schlossen.

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