Das Hochzeitsbier

Die geplatzte Feier

Ursprünglich hatten wir geplant am 25.07.2020 unsere Hochzeit zu feiern. Dazu ist es nun leider nicht gekommen. Zum einen war es bis vor kurzem für Bees Mutter, auf Grund der Coronakrise, nicht möglich nach Deutschland einzureisen. Da wir nicht genau wussten, ob und wann die Einreise für Bürger aus Drittstaaten wieder möglich sein wird, musst wir die Feier leider absagen. Bees wollte die Hochzeitsfeier nur unter der Bedingung durchführen, dass ihre Eltern auch daran teilnehmen können. Es war für Bees schon schwierig, sich ohne die Anwesenheit ihrer Eltern, standesamtlich zu trauen. Der Plan ist nun die Feier in Brasilien nachzuholen. Meine Eltern haben schon zugesagt, dafür auf jeden Fall nach Brasilien zu reisen.

Das Hochzeitsbier

Da wir ursprünglich davon ausgegangen waren, dass die Feier stattfindet, haben wir natürlich extra ein Bier dafür eingebraut. Es sollte ein außergewöhnliches Bier, mit moderatem Alkoholgehalt und passend für den Sommer sein. Ursprünglich hatten wir an ein feinherbes und reichlich mit Tettnanger-Perle gestopftes, blumiges Pilsener gedacht. Bees konnte sich allerdings mit dem Gedanken an ein Pilsener nicht so richtig anfreunden. Ihr Argument war, dass wir schon oft kräftig gestopfte, blumige, böhmische, als auch nordeutsche Pilsener gebraut haben und das ein solches Bier kein handfestes Alleinstellungsmerkmal aufweisen wird. Ich lies mich überzeugen und uns kam die Idee für unsere Hochzeitsfeier ein Fichtenspitzen-IPA zu brauen. Das klang für uns auf Anhieb überzeugend, bereits der Namen trägt das Alleinstellungsmerkmal in sich. Darüber hinaus waren wir davon überzeugt, dass sich der Geschmack von Fichtenspitzen super mit den fruchtigen Noten eines IPA kombinieren lässt. Das Grundbier sollte ein mit Cascade gehopftes, fruchtiges Singlehop-IPA mit moderatem Alkoholgehalt sein. Das Ziel war das Bier mit einem Alkohlgehalt zwischen minimal 5,8%Vol. und maximal 6,2%Vol. einzubrauen. Dieses sollte nach der Hauptgärung sowohl mit Cascade als auch mit frischen Fichtenspitzen gestopft werden und weitere drei Wochen im Gärtank verbleiben, bevor es zur Nachgärung in Flaschen geschlaucht wird. Da das Bier nach der Hauptgärung noch ca. 8 Wochen bei 2°C kalt lagern sollte, brauten wir es bereits Ende April. Anfang Mai fuhren wir in einen nahegelegenen Wald und pflückten die frischen Triebe von verschiedenen Fichten. An der Stelle ist es wichtig zu betonen, dass man darauf achtet, dass es sich auch wirklich um Fichtenspitzen und nicht um Triebe von Eiben handelt. Bei Unachtsamkeit besteht ein gewisses Risiko diese zu verwechseln. Nahezu alles an einer Eibe ist giftig und die Verwertung der Triebe ist lebensgefährlich. Auf 45 Liter Bier braucht man für ein angenehmes, gut wahrnehmbares Fichtenaroma ca. 200g – 300g Fichtenspitzen. Diese werden gründlich mit klarem Wasser gewaschen und anschließend in 70%igem Alkohol für 5 Minuten vollständig bedeckt eingelegt. Danach werden sie klein geschnitten und entweder in Hopfensäcken gefüllt oder direkt in den Gärtank gegeben. Im Anschluss sollte das Jungbier weitere drei Wochen gelagert werden, bevor es zur Nachgärung ab- oder umgefüllt wird. Bee hat sich ein stärker karbonisiertes Bier gewünscht, dass so richtig schön “floppt” wenn man es öffnet und bei dem sich die Kohlensäure länger im Bier hält. Als Hefe haben wir uns für die “New England – American East Coast Ale” von Lallemand entschieden. Die Hauptgärung verlieft hervorragend. In der Nachgärung hat sie sich jedoch etwas weniger dynamisch gezeigt.

Das Tasting

Nachdem nun fest steht, dass es in Deutschland keine Feier mehr geben wird, müssen wir anfangen unser gesamtes Hochzeitsbier mit Freunden zu trinken. Zum Glücken finden sich im Bekanntenkreis viele Leute die unser Bier gerne trinken😅.

Das Bier ist bersteinfarben, ausgewogen mit einer milden Hopfenbitteren, ca. 6,0%Vol. Alkohol und es riecht fruchtig mit einer tatsächlich intensiven Fichtennote, die die Fruchtnote des Hopfens etwas in den Hintergrund treten, aber nicht untergehen lässt. Die etwas höhere Karbonisierung prickelt etwas mehr auf der Zunge, lässt den Schaum länger stehen und lässt das Bier auch nach etwas längerer Zeit im Glas noch frisch schmecken. Nur all zu sehr schütteln sollte man die Flasche vor dem Öffnen nicht. Alles in Allem, sind wir sehr zufrieden mit unserem Hochzeitsbier. Wir finden es wirklich sehr schade, dass wir es nicht zu unserer Hochzeit ausschenken konnten. In Brasilien gibt es leider keine Fichten, damit wird es für uns wohl so schnell kein anderes Fichtenspitzen-IPA geben. Aber wir werden uns mit Sicherheit etwas außergewöhnliches für Brasilien einfallen lassen. 😃

Das Hochzeitsbier

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