Die Art des Umzugs

Zieht man innerhalb der gleichen Stadt oder innerhalb Deutschlands um, ist relativ schnell klar wie man einen solchen Umzug gestaltet. Je nach Größe des Haushalts, leiht man sich einen Transporter oder einen kleinen LKW aus, sagt einigen Freunden Bescheid, baut in der Zeit vor dem Umzug alle Möbel ab und packt alle Dinge zusammen in Umzugskisten und transportiert am Umzugstag alles zusammen von A nach B.

Bei einem Umzug ins Ausland im speziellen ins nicht europäische Ausland nach Übersee, stellt sich das Ganze etwas komplizierter da. Die größte Herausforderung sind die Zollbestimmungen und das finden eines Transportunternehmens ,dass alles von A nach B transportiert. Versucht man ein Unternehmen zu finden, dass für Privatpersonen einen Umzug von Deutschland nach Brasilien organisiert, dann wird man schnell feststellen, dass einem fast alle Unternehmen von einem Umzug mit einem Schiffscontainer abraten. Was ist der Grund dafür? Nach Aussage der meisten Umzugsunternehmen sind insbesondere die sich immer wieder ändernden Zollbestimmungen, Zolldokumente und die hohen Hafengebühren für nicht verzollte Container und Waren in brasilianischen Häfen der Hauptgrund dafür. Für Privatpersonen liegt das Risiko insbesondere in den täglichen anfallenden Kosten für die Standzeit der nicht verzollten Container. Fehlen Dokumente, oder verzögert sich die Verzollung aus anderen Gründen, dann fallen täglich Hafengebühren an, die schnell schwindelerregende Höhen erreichen können. Ein Umzug aus beruflichen Gründen, bei dem die jeweilige Firma dieses Risiko trägt, ist nach Aussage der Umzugsunternehmen die beste Alternative. Für uns war relativ schnell klar, dass der Umzug mit Hilfe eines Containers, für uns auf Grund des hohen Risikos der nicht vorhersehbaren Kosten, nicht in Frage kommt.


Wie sieht nun unser Umzugsplan aus?
Um diese Frage beantworten zu können muss man für sich zuallererst die folgenden Frage beantworten:

  • Welche Dinge des aktuellen Haushalts braucht man unbedingt in der neuen Umgebung?
  • Welche Dinge kann man auch in der neuen Umgebung kaufen und wie teuer sind diese?
  • Steht die aktuelle Wohnung für die Zeit des Auslandsaufenthalt weiter zur Verfügung und welche Alternativen zum Unterstellen von Hausrat gibt es?

Da wir aktuell zur Miete wohnen, unsere Wohnung funktional eingerichtet ist und wir die Wohnung während unseres Auslandsaufenthalts nicht weiterführen werden, ist es nicht zwingend erforderlich den gesamten Hausrat nach Brasilien umzuziehen. In unserem Haushalt gibt es kaum Dinge, die wir unbedingt in Brasilien bräuchten. Wir werden versuchen den größten Teil über Platformen wie Ebay oder Ebay-Kleinanzeigen zu verkaufen, oder in der Familie zu verteilen. Es gibt jedoch einige Dinge auf die wir in Brasilien nicht verzichten wollen. Das betrifft in erster Linie unser Equipment zum Bierbrauen und einige Sachen die in Brasilien gar nicht oder nur sehr schwer zu bekommen sind. Dazu zählen z.B. Dauenenbettdecken für die kalte Jahreszeit im Süden Brasiliens und einige technische Helfer.

Ursprünglich wollten wir unser Brauequipment per Luftfracht nach Brasilien schicken. Aber auch in diesem Fall ist das Problem, dass es sich dabei im besten Fall um unbekleidetes Umzugsgut handelt, dessen Import wieder mit Aufwand und Risiko behaftet ist. Unsere Idee ist nun das Brauequipment, dass im Großen und Ganzen aus einem Speidel-Braumeister 50L, einem Gärfass 60L, einem passenden Kühlaggregat, zwei Einkochtöpfen aus Edelstahl und ein paar anderen Kleinigkeiten besteht, bei unserem Flug nach Brasilien als Sperrgut anzumelden und diese Dinge dann im Flugzeug mitzunehmen. Das war auch die Empfehlung eines Umzugunternehmens mit dem Beers telefoniert hatte. Kann man bei Ankunft in Brasilien einen Wohnsitz und eine Aufenthaltsgenehmigung vorweisen und einen Nachweis vorlegen, dass das betroffene Equipment bereits über ein Jahr in seinem Besitz ist, dann sollte der Import problemlos verlaufen. Der Nachweis soll über die Rechnung möglich sein. Wir sind schon sehr gespannt, ob das tatsächlich problemlos funktioniert.

Ich besitze neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch die brasilianische und meine Eltern wohnen in Curitiba. Das macht für uns einige Dinge einfacher. Wir haben bereits jetzt eine Anlaufstelle um diverse Dinge zu organisieren. Es besteht also bereits jetzt die Möglichkeit verschiedene Sachen per Post nach Brasilien zu schicken. Von dieser Möglichkeit werden wir auch ausgiebig Gebrauch machen. Der große Vorteil liegt darin, dass Curitiba für brasilianische Verhältnisse eine sehr gute Infrastruktur besitzt und der Paketversand zuverlässig funktioniert. Der Paketversand hat darüber hinaus den großen Vorteil das die Versandkosten fest und die Gesamtkosten gut abschätzbar sind. Neben den Versandkosten fallen ab 50 USD Gesamtwert Zollgebühren in Höhe von ca. 60% an. Pakete sollten auch einen Wert von 500USD nicht überschreiten, denn dann muss die Zahlung der Gebühren im Vorfeld abgewickelt werden.

Weitere Infos zum Paketversand: Paket-Nach-Brasilien

Wir haben indes festgestellt, dass die anfallenden Kosten sich nicht immer im Vorfeld genau bestimmen lassen. Aber wen man mit ca. 70% Zollgebühren rechnet, liegt man meist recht nah an dem, durch den brasilianischen Zoll, festgelegten Betrag.

Für jedes Paket muss zudem eine Zollinhaltserklärung CN23 ausgefüllt und außen am Paket sichtbar angebracht werden. Darüber hinaus ist es zu empfehlen, sich einen Vordruck z.B. bei DHL herunterzuladen und diesen von Hand auszufüllen und auf die von DHL automatisch erzeugte Zollinhaltserklärung zu verzichten. Wir haben festgestellt, dass die brasilianischen Zollbehörden die automatisch von DHL erzeugte CN23 so interpretieren, dass die Versandkosten doppelt in den Gesamtwert des Pakets eingerechnet werden.

Gebrauchte Waren sollten immer realistisch deklariert werden.

Ich hoffe ich konnte euch einen guten Überblick über die von uns gewählte Art des Umzugs geben. Bei Gelegenheit werde ich wieder mal ein Update zu diesem Thema geben.